Einen Tag nach dem Votum für ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump hat der demokratische Abgeordnete Jeff Van Drew seinen Übertritt zu den Republikanern bekannt gegeben. Trump nannte den Schritt "eine große Ehre", als er Van Drew im Oval Office empfing und den Übertritt verkündete. "Ich denke, das passt einfach besser zu mir", sagte Van Drew zu seiner Entscheidung. Der Demokrat aus New Jersey hatte seinen Mitarbeitern offenbar schon am Wochenende gesagt, er wolle künftig Republikaner sein. Trotz Van Drews Parteiwechsel behalten die Demokraten in der Abgeordnetenkammer die Mehrheit.

Van Drew hatte bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus die beiden Anklagepunkte gegen Trump abgelehnt. Mit 230 zu 197 Stimmen hatten die Abgeordneten am Mittwoch für den Anklagepunkt des Amtsmissbrauchs votiert. In einer zweiten Abstimmung billigte eine Mehrheit der Abgeordneten auch den Vorwurf der Behinderung des Kongresses. Außer Van Drew stimmte auch Collin Peterson aus Minnesota zweimal mit Nein. Tulsi Gabbard aus Hawaii enthielt sich der Stimme. Jared Golden aus Maine sprach sich gegen einen der Vorwürfe aus. Die Republikaner stimmten geschlossen dagegen, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten.

Trump hatte Van Drew bereits in der vergangenen Woche getroffen, bei Twitter lobte der Präsident den künftigen Parteifreund anschließend als "sehr beliebt" unter den Republikanern.

Nancy Pelosi, die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, reagierte verstimmt auf die Angelegenheit. Sie habe mit Van Drew nicht über seine Erwägungen gesprochen, sagte sie. Auf die Frage von Reportern, ob sie Ratschläge für den Abgeordneten habe, sagte sie: "Nichts. Null."

Anlass für die Untersuchung war die Ukraine-Affäre um Trump und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Demokraten werfen Trump vor, er habe sein Amt zu persönlichen Zwecken missbraucht und anschließend Ermittlungen des Kongresses behindert. Zeugenaussagen zufolge hat Trump Selenskyj mit der Sperrung von bereits zugesagter Militärhilfe in Höhe von 400 Millionen US-Dollar unter Druck setzen wollen, um Ermittlungen gegen seinen innenpolitischen Herausforderer Joe Biden zu forcieren.

Obgleich die Beweislage gegen Trump spricht, gilt eine Amtsenthebung als unwahrscheinlich. Das eigentliche Verfahren findet im Senat statt, in dem Trumps Republikaner in der Mehrheit sind. Dort müssten die Demokraten 20 republikanische Senatoren überzeugen, gegen den Präsidenten zu stimmen. Trump hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Es wird damit gerechnet, dass das Verfahren im Januar im Senat beginnt. Demokraten und Republikaner streiten jedoch noch über den Ablauf des Verfahrens.