Die Türkei hat eine angebliche Anhängerin der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammen mit ihrer Tochter von Istanbul nach Berlin ausgeflogen. Das türkische Innenministerium spricht von zwei "Terroristenkämpfern" mit deutscher Staatsbürgerschaft. Mehr Auskünfte – etwa zu den konkreten Vorwürfen – erteilte die Behörde allerdings nicht.

Laut deutschen Sicherheitskreisen handelt es sich um eine Deutsch-Eritreerin und ihre fünfjährige Tochter. 2014 soll sie von Deutschland aus nach Syrien ausgereist sein. Im vergangenen Oktober wurde sie demnach in der Türkei in Gewahrsam genommen. Ein Haftbefehl gegen die Frau liegt dem Vernehmen nach nicht vor. Ob Ermittlungen gegen sie aufgenommen werden, wird noch geprüft.

Die Türkei schiebt seit einigen Wochen Menschen mit angeblichen Verbindungen zu Terrororganisationen in ihre Heimatländer ab. Am 9. Oktober hatte sie im syrisch-türkischen Grenzgebiet eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet. Während der Militäroffensive waren offiziellen Angaben zufolge auch Anhängerinnen und Anhänger des IS sowie deren Kinder festgenommen worden, insgesamt 287 Menschen.

Auch 18 Deutsche sollen aus der Türkei abgeschoben worden sein

Anfang Dezember hatte das türkische Innenministerium gemeldet, dass die Türkei innerhalb von drei Wochen 59 Menschen mit mutmaßlichen Verbindungen zu Terrororganisationen in ihre Heimatländer zurückgeschickt habe. Unter ihnen seien 26 US-amerikanische und europäische Staatsangehörige, darunter etliche Deutsche. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Montag von mittlerweile insgesamt 71 abgeschobenen ausländischen "Terroristenkämpfern", davon 18 Deutsche.

Bei den Angaben der türkischen Regierung ist Vorsicht angebracht, weil offensichtlich auch Kinder von abgeschobenen IS-Kämpfern als Terroristen gezählt werden. So hatte die Türkei am vergangenen Montag die Abschiebung von elf "Terroristenkämpfern" nach Frankreich gemeldet. Berichten zufolge handelte es sich allerdings um vier Ehefrauen von mutmaßlichen Dschihadisten und ihre sieben Kinder.