Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bleibt Vorsitzender der rechtsgerichteten Likud-Partei. In der parteiinternen Wahl am Donnerstag setzte sich Netanjahu klar gegen seinen Herausforderer Gideon Saar durch. Der Ministerpräsident lag nach Auszählung aller Stimmen bei 72,5 Prozent, Ex-Minister Saar bei 27,5 Prozent, wie die Partei in der Nacht zum Freitag mitteilte. Netanjahu wird damit Spitzenkandidat des Likud bei der vorgezogenen Neuwahl am 2. März.

Der Regierungschef hatte sich schon vor Auszählung aller Stimmen zum Sieger ausgerufen. "Ein großer Sieg! Danke an die Likud-Mitglieder für ihr Vertrauen, Unterstützung und Liebe", schrieb Netanjahu kurz nach Mitternacht im Internetdienst Twitter. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich in den ersten Ergebnissen bereits sein deutlicher Sieg ab.

Die Beteiligung lag nach Parteiangaben bei 49 Prozent der etwa 116.000 Parteimitglieder. Netanjahu führt seine Partei seit 14 Jahren. Die Wiederwahl des amtierenden Ministerpräsidenten galt zwar als wahrscheinlich. Seinem einzigen Gegenkandidaten, dem ehemaligen Innen- und Erziehungsminister Gideon Saar, wurde jedoch ein Achtungserfolg zugetraut. Damit könnte der 53-Jährige sich für eine Ära nach Netanjahu positionieren.

Netanjahu ist wegen einer Korruptionsanklage und zweifachen Scheiterns bei der Regierungsbildung angeschlagen. Aber die Likud-Mitglieder gelten als extrem loyal und haben noch nie einen amtierenden Parteivorsitzenden abgewählt.

Vorsitz trotz politischer Krise

Israel befindet sich wegen einer fortwährenden Pattsituation zwischen dem rechts-religiösen und dem Mitte-links-Lager in einer politischen Krise. Weil weder Netanjahu noch seinem Herausforderer Benny Gantz vom Mitte-Bündnis eine Regierungsbildung gelang, wird am 2. März schon zum dritten Mal binnen eines Jahres ein neues Parlament gewählt. Mit seiner Wiederwahl ist Netanjahu auch erneut Likud-Spitzenkandidat für die Neuwahl.

Netanjahu dominiert die Likud-Partei seit Jahrzehnten. Er war von 1993 bis 1999 Parteivorsitzender, die letzten drei Jahre davon auch Regierungschef. Nach seiner Wahlniederlage 1999 trat Netanjahu als Parteichef zurück, sein Nachfolger wurde damals Ariel Scharon. 2005 schied Scharon dann aus dem Likud aus, um die Kadima-Partei zu gründen. Seitdem ist Netanjahu durchgängig Likud-Parteivorsitzender.