Im November dieses Jahres kamen 75 Teilnehmer aus unterschiedlichen Kontinenten und mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen für ein Planspiel in Paris zusammen. Sie sollten sich mit den Folgen einer zukünftigen Rekordhitzewelle in Nordafrika und im Mittleren Osten beschäftigen und daraus Maßnahmen entwickeln, die einem solchen Szenario entgegengesetzt werden können. Gastautorin Ronja Scheler war bei dem von der Körber-Stiftung und der Zeitschrift "Foreign Policy" organisierten Spiel dabei. Sie skizziert drei Lehren für eine vorausschauende Klimaaußenpolitik. Scheler ist Programmleiterin Internationale Politik bei der Körber-Stiftung.

"Wir alle wissen, was uns erwartet, und dennoch sind wir vollkommen unvorbereitet. Das ist eine wichtige, aber schockierende Erkenntnis": Es sind drastische Worte, die ein Teilnehmer nach einer Simulation über den Zusammenhang von Klimawandel und Sicherheit fand. Insgesamt 75 Teilnehmende hatten im Rahmen eines Planspiels in Paris die Rollen von Staaten, internationalen Organisationen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eingenommen. Gemeinsam reagierten sie auf hypothetische, aber plausible Entwicklungen an der Schnittstelle von Klimawandel und internationaler Sicherheit. So konnten sie auf eine zukünftige Dynamik vorausschauend reagieren und Handlungsoptionen für Politik und Gesellschaft erarbeiten.

Hintergrund des Planspiels ist, dass sich die Weltgemeinschaft schwertut mit nennenswerten Schritten hin zu einem Klimaschutz, der den Namen auch verdient. Jüngstes Beispiel dieses Versagens sind die ernüchternden Ergebnisse der 25. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die in der vergangenen Woche zu Ende ging. Doch selbst wenn es gelänge, die globalen CO2-Emissionen massiv zu verringern und so eine Erderwärmung um weniger als 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erreichen, werden die Folgen des Klimawandels deutlich spürbar sein. In Deutschland beklagten Landwirte im vergangenen Sommer Ernteausfälle in Rekordhöhe, in Europa werden ganze Landstriche auf Dauer nicht mehr zu bewirtschaften sein.

Eine humanitäre Katastrophe verhindern

Noch drastischer aber sind die Auswirkungen bereits heute in Staaten des Globalen Südens. Wetterextreme treffen dort zahlreiche Länder, die ohnehin von fragilen politischen Strukturen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt sind. Hier können klimatische Veränderungen der sprichwörtliche Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Als threat multiplier gilt der Klimawandel, als ein Faktor, der bestehende Bedrohungen verstärkt. Migrationsbewegungen, Wettlauf um natürliche Ressourcen, soziale Spannungen und – in letzter Konsequenz – kriegerische Auseinandersetzungen werden durch die globale Erwärmung also angeheizt.

Daraus ergibt sich ein direkter Zusammenhang von Erderwärmung und zwischenstaatlicher Politik. Als "neuen Imperativ der Außenpolitik" hat Bundesaußenminister Heiko Maas den Klimawandel deswegen bezeichnet. Um sich vorzustellen, was das bedeutet, lohnt sich einen Blick auf Szenarien der Zukunft, die mit klimaorientierter Außenpolitik zu tun haben.

Diesem Zweck diente das in Paris gespielte PeaceGame, das die Körber-Stiftung zusammen mit dem Magazin Foreign Policy im November beim diesjährigen Paris Peace Forum durchgeführt hat. Ausgangspunkt war ein hypothetisches Szenario, das aktuelle Entwicklungen fortschreibt und zuspitzt. Konkret skizziert es eine Klimakrise in Nordafrika und dem Mittleren Osten im Jahr 2030. Auf eine Rekordhitzewelle und damit einhergehende Lebensmittelengpässe folgten in der fiktiven Ereigniskette Aufstände in mehreren Nil-Anrainerstaaten, die wiederum Migrationsbewegungen nach Norden verstärkten. Eine angespannte humanitäre Lage und sozioökonomische Herausforderungen wie Armut, Bevölkerungswachstum und ethnische Konflikte gehören in vielen nordostafrikanischen Staaten bereits heute zur Tagesordnung.

Dass der fortschreitende Klimawandel und die dadurch bedingten Umweltveränderungen diese Spannungen in den kommenden Jahren verschärfen werden – Stichwort: threat multiplier –, ist zu erwarten. Für die Spielerinnen und Spieler in Paris galt es also kurzfristig, gewaltsame Konflikte und eine erneute humanitäre Katastrophe vor den Toren Europas zu verhindern. Gleichzeitig waren sie angehalten, langfristige und präventive Maßnahmen vorzuschlagen, die sowohl auf die Eindämmung des Klimawandels als auch der damit verbundenen humanitären und sicherheitspolitischen Herausforderungen abzielen.