Ermittlungsbehörden in der Ukraine haben ein Strafverfahren wegen Grenzverletzung eingeleitet, nachdem der erste reguläre russische Personenzug auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim angekommen ist. Der Zug aus St. Petersburg habe auf der Krim-Brücke illegal die Staatsgrenze der Ukraine überquert, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew mit. Die Krim gehört völkerrechtlich zur Ukraine, Russland hatte sie allerdings 2014 annektiert und sieht sie als sein Staatsgebiet an.

Am Montag hatte der russische Präsident Wladimir Putin die neue Eisenbahnverbindung auf die Krim, die über die Straße von Kertsch führt, mit einer weltweit beachteten Bahnfahrt eröffnet. Am selben Tag fuhr in St. Petersburg der Zug los, der jetzt sein Ziel, die Hafenstadt Sewastopol auf der Krim, erreichte. Dort wurden die Reisenden von einem Orchester mit festlicher Musik empfangen.

Der Zug mit 17 Wagen für insgesamt 600 Passagiere brauchte für die Strecke von 2.471 Kilometern 43,5 Stunden. Neben der Verbindung aus St. Petersburg fährt künftig von der russischen Hauptstadt Moskau aus täglich ein Zug in die Krim-Hauptstadt Simferopol. Am Dienstagabend startete der erste Zug, der für die rund 2.000 Kilometer lange Fahrt rund 33 Stunden benötigt.

EU sieht Freigabe der Krim-Brücke als Völkerrechtsverstoß

Die EU hatte die Freigabe der von Russland gebauten Krim-Brücke für den Bahnverkehr als weiteren Völkerrechtsverstoß verurteilt. Seit vergangenem Jahr ist die mit 19 Kilometern längste Brücke Europas und Russlands bereits für den Autoverkehr freigegeben.

Die Brücke in der Meerenge von Kertsch zwischen Schwarzem und Asowschem Meer soll 228 Milliarden Rubel (rund 3,3 Milliarden Euro) gekostet haben. Vor allem die Menschen auf der Krim hoffen durch die neue Verkehrsverbindung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Seit 2014 waren die Touristenzahlen auf der Krim stark zurückgegangen.

Russland hatte die Krim nach einem international nicht anerkannten Referendum ans eigene Staatsgebiet angegliedert. USA und EU sprechen von einer Annexion. Im Zuge der Krim-Krise hatte die Ukraine den Zugverkehr auf die Halbinsel 2014 eingestellt. Dass nun Züge vom russischen Kernland auf die Halbinsel rollen, sieht das Land als Verletzung seiner Souveränität und territorialen Unversehrtheit.