Kuba hat zum ersten Mal seit 1976 wieder einen Regierungschef. Wie kubanische Staatsmedien berichten, wählte das Parlament in der Hauptstadt Havanna den bisherigen Tourismusminister Manuel Marrero zum Ministerpräsidenten. Vorgeschlagen hatte ihn Präsident Miguel Díaz-Canel.

Durch die Wahl Marreros wird der Umbau der Machtstrukturen in Kuba weiter fortgesetzt. Über Jahrzehnte hinweg übten die beiden Revolutionsführer und Brüder Fidel und Raúl Castro verschiedene zentrale Positionen in Personalunion aus – sie waren Staatsratsvorsitzender, Regierungs- und Staatschef zugleich. Nun soll der politische Einfluss auf mehrere Schultern verteilt werden.   

Das Amt des Ministerpräsidenten beispielsweise war 1976 durch eine damals neue Verfassung abgeschafft worden und wurde erst im vergangenen April durch eine Verfassungsreform wieder eingeführt. Auch das Amt des Präsidenten war im Zuge der Verfassungsreform wieder eingeführt und auf die Dauer von höchstens zwei fünfjährigen Amtszeiten begrenzt worden. Seit Oktober hat es der 59-jährige Díaz-Canel inne, der auch dem Staatsrat vorsitzt.

Der 56-jährige gelernte Architekt Marrero soll sich nun zumindest einen Teil der Macht mit Díaz-Canel teilen. Seine Wahl kam überraschend – Marrero gehörte nicht zu den zuvor gehandelten Kandidaten. Er ist Mitglied der Nationalversammlung, nicht aber des mächtigen Politbüros der Kommunistischen Partei.   

Am Einparteisystem wurde jedoch nichts geändert. Einzig zugelassene Partei ist weiterhin die Kommunistische Partei, und Raúl Castro behält die Schlüsselposition als ihr Parteichef.