Nach dem Ende der UN-Klimakonferenz in Madrid haben zahlreiche Politiker und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen Enttäuschung geäußert. UN-Generalsekretär António Guterres sagte, die Staatengemeinschaft habe "eine wichtige Gelegenheit verpasst", mehr Ambitionen bei der Bewältigung der Klimakrise zu zeigen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kritisierte, die Ergebnisse würden "den dringend nötigen Fortschritten beim Klimaschutz nicht gerecht". Zwar seien am Ende alle Versuche abgewehrt worden, das Pariser Klimaabkommen aufzuweichen, "aber wir müssen alle schneller werden bei der Bekämpfung des Klimawandels", sagte die SPD-Politikerin.

Gipfelpräsidentin Carolina Schmidt zeigte sich erfreut, dass sich inzwischen 120 Staaten zum Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bekannt haben. "Es erfüllt uns mit Stolz, dass diese Allianz auf 120 Länder angewachsen ist", sagte die chilenische Umweltministerin. Zugleich wies sie darauf hin, dass die bisherigen Fortschritte nicht ausreichten. "Die Bürger der Welt fordern uns auf, schneller voranzukommen", sagte Schmidt.

Deutliche Kritik kam von Umweltverbänden. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser sagte, die Konferenz sei "ein Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens" gewesen. "Sie verrät all jene Menschen, die weltweit längst unter den Folgen der Klimakrise leiden und nach schnellen Fortschritten rufen", sagte Kaiser. Jennifer Morgan von Greenpeace International bezeichnete die Klimabeschlüsse als inakzeptabel. Die Regierungen müssten sich nun komplett neu aufstellen. "Diese Klimakonferenz hat offenbart, wie Klimasünder die Politik beeinflussen und wie tief das Misstrauen der Jugendlichen gegenüber ihren Regierungen ist", sagte Morgan.

Kritik an "Bremser-Staaten" USA und Brasilien

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte, dass es nun trotz aller Enttäuschungen an den Staaten sei zu handeln. Deutschland habe seine Versprechen eingelöst und verstärke die Zusammenarbeit beim Klimaschutz mit den Entwicklungsländern beim "Aufbau grüner Energiestrukturen". Müller forderte die Industriestaaten dazu auf, ihr Versprechen einzulösen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Finanzierung für Maßnahmen in den Entwicklungsstaaten bereitzustellen.

Auch die Opposition zeigte sich enttäuscht von den Resultaten des Gifpels. "Es ist eine Schande, dass die Weltklimakonferenz mit einem Minimal-Kompromiss endete, der in zentralen Fragen keine Lösung bietet und das Problem erneut vertagt", sagte Linken-Chefin Katja Kipping der Welt. "Madrid hätte die Chance geboten, klare weltweite Regulierungen einzuführen, um das Zwei-Grad-Ziel erreichen zu können". Das sei jedoch an den Egoismen einiger Staaten gescheitert, sagte Kipping.

Auch die klimapolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Badum, kritisierte die Ergebnisse. "Beim Klimagipfel wurde eine Riesenchance vertan", sagte sie der Welt. Deutschland dürfe sich von den "Bremser-Staaten wie Brasilien und USA jetzt nicht lähmen lassen". Nun müssten sich die Vorreiterstaaten zusammenschließen und zeigen, dass es auch anders gehe.

"Kein angemessenes Bewusstsein"

Der World Wide Fund For Nature Deutschland (WWF) teilte mit: "Die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz von Madrid sind so müde wie die Delegierten nach zwei durchverhandelten Nächten. Die Konferenz ist ein gruseliger Fehlstart in das für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens so entscheidende Jahr 2020." Der Präsident des Naturschutzbunds Deutschland (NABU), Jörg-Andreas Krüger, sagte, die Schere zwischen der Dringlichkeit des Themas und den Verhandlungsergebnissen könnte kaum größer sein. "Auch wenn am Ende ein Minimalkonsens erreicht wurde: Unter diesen Umständen könnte er kaum schwächer sein. Und das, obwohl die Folgen des begonnenen Klimawandels weltweit spürbar sind und Millionen Menschen mehr Klimaschutz einfordern", sagte er.

"Die Regierungen haben sich nicht an ihre Versprechen gehalten und sind daran gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen", sagte die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer. "Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück."

Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagte: "Es scheint in den Köpfen der Delegationen aus Industrienationen kein angemessenes Bewusstsein für das Ausmaß der Klimakrise zu geben, das sie angerichtet haben und weiter anrichten, und für deren katastrophale Auswirkungen auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen." Es sei "extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig, dass sie Finanzzusagen gegenüber den ärmsten Staaten für die Bewältigung von Klimaschäden verwehren", sagte sie.

Ian Fry, ein Vertreter der Delegation des Inselstaates Tuvalu im Pazifik, kritisierte insbesondere die Rolle der USA bei den Verhandlungen. Es gebe Millionen von Menschen auf der Welt, die schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels litten, sagte er und ergänzte: "Diesen Fakt zu bestreiten, könnte von einigen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit interpretiert werden."

Was auf dem Weltklimagipfel beschlossen wurde, lesen Sie hier.