Das iranische Regime hat sich zum Austausch weiterer US-Gefangener bereit erklärt, nachdem es am Wochenende mit der US-Regierung zwei inhaftierte Wissenschaftler ausgetauscht hatte. "Nachdem wir eine Geisel zurückholen konnten, sind wir für einen umfassenden Gefangenenaustausch bereit", twitterte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Die amerikanischen Gerichte müssten dies nun ermöglichen. "Der Ball liegt im US-Feld", schrieb Sarif.

Am vergangenen Samstag hatte der Iran den Historiker Xiyue Wang freigelassen, der 2016 festgenommen und wegen Spionage zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Die USA ließen dafür den iranischen Stammzellforscher Massud Soleimani frei, der 2018 bei der Einreise festgenommen worden war. Der Gefangenenaustausch fand in der Schweiz statt.

Während die Zahl der inhaftierten Iraner in den USA unklar ist, wissen die Behörden noch von mindestens vier weiteren westlichen Wissenschaftlern, die derzeit in iranischen Gefängnissen sitzen. Darunter sind die französisch-iranische Anthropologin Fariba Adelkhah, ihr Freund und Kollege Roland Marchal und die britisch-australische Islamwissenschaftlerin Kylie Moore-Gilbert. Im November wurde zudem der britisch-iranische Anthropologe Kameel Ahmadi auf Kaution freigelassen. Kritiker werfen dem Iran vor, die Forscher als Druckmittel zu benutzen.

Nach Angaben von Regierungssprecher Ali Rabiei war der Iran bereits vergangenes Jahr zum Austausch sämtlicher Gefangener bereit. Allerdings sei die US-Regierung nicht darauf eingegangen, sagte er im iranischen Staatsfernsehen. Dort wies er auch die Angaben von US-Präsident Donald Trump zurück, es habe "sehr faire Verhandlungen" gegeben. Stattdessen sagte Rabiei, dem Austausch von Wang und Soleimani gingen "keine Verhandlungen" voraus. Laut des US-Magazins The New Yorker hatte sich vielmehr der frühere US-Abgeordnete Jim Slattery direkt an den Iran gewandt – im Auftrag der Familie Wang.