Der US-Kongress hat die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord eingestuft. Der Senat beschloss einstimmig eine entsprechende Resolution, die bereits im Oktober das Repräsentantenhaus verabschiedet hatte. In den vergangenen Wochen war der Text in der Kongresskammer zunächst drei Mal am Widerstand republikanischer Senatoren gescheitert. Die Resolution ist rechtlich nicht bindend, hat aber große Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei.

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Als erstes großes europäisches Land stufte Frankreich 2001 die Massaker offiziell als Genozid ein, seit 2019 ist der 24. März ein den Opfern gewidmeter Gedenktag. Der deutsche Bundestag tat dies im Juni 2016, was eine diplomatische Krise mit der Türkei auslöste. 2018 folgten unter anderem die Niederlande

Als das US-Repräsentantenhaus Ende Oktober für die Armenien-Resolution stimmte, führte dies zu starkem Protest der Türkei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete den Vorwurf des Völkermords als "die größte Beleidigung unseres Volkes".