In Frankreich führen ein Generalstreik und Proteste gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron zu zahlreichen Störungen im öffentlichen Leben. So sind die U-Bahnen in Paris nicht in Betrieb und zahlreiche Zug- und Bahnverbindungen fielen aus. Wie das nationale Bahnunternehmen SNCF mitteilte, wurden neun von zehn Hochgeschwindigkeitszügen gestrichen. Laut der Luftfahrtbehörde ist ein Fünftel der Flüge nicht gestartet.

An Pariser Sehenswürdigkeiten wie dem Louvre wurden Touristinnen und Touristen vor Störungen durch den Streik gewarnt. Der Eiffelturm blieb aufgrund von Personalmangel gleich ganz geschlossen. Weil 78 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sich am Streik beteiligen, fiel in vielen Orten auch der Schulunterricht aus.

Insgesamt gingen im Rahmen des Generalstreiks 180.000 Menschen auf die Straße. Damit sind es die größten Proteste seit Beginn der Gelbwestenbewegung vor gut einem Jahr. Der Protest richtet sich gegen die geplante Rentenreform von Präsident Macron. Seine Regierung will das gesetzliche Renteneintrittsalter von 62 Jahren zwar offiziell nicht antasten, allerdings müssen die französischen Bürgerinnen dann mit Abschlägen rechnen. Zudem will Macron die Vorzugsrenten von mehr als 40 Branchen abschaffen, dank derer Angestellte des öffentlichen Dienstes, etwa im Bahnverkehr oder in der Energiebranche, teilweise bereits mit Mitte 50 in den Ruhestand gehen können. Zudem soll künftig ein Punktesystem die Höhe der Rente mitbestimmen. Außerdem soll es Anreize geben, länger zu arbeiten.

Macrons Büro erklärte, der Präsident halte entschlossen an seinen Reformplänen fest. Premierminister Édouard Philippe will die Vorhaben demnach Mitte der kommenden Woche im Detail erläutern. Macron hatte die Reform wegen der Gelbwestenproteste vorerst aufgeschoben.

6.000 Polizisten sollen Krawalle verhindern

In Paris kam es am Rande der Proteste auch zu gewalttätigen Ausschreitungen: Schwarz gekleidete Vermummte zündeten einen Bauwagen und Mülleimer an und warfen Fensterscheiben ein. Die Polizei setzte Tränengas ein. Der Fernsehsender BFM TV sprach von mindestens 500 Gewaltbereiten in Paris. Vereinzelt waren unter den Randalierern auch Menschen in gelben Warnwesten zu sehen. Die Ausschreitungen ereigneten sich in der Nähe des Platzes der Republik. Dorthin war der zentrale Demonstrationszug der Gewerkschaften unterwegs.

Auch in anderen französischen Städten wie Nantes, Bordeaux und Lyon kam es vereinzelt zu Zusammenstößen von Vermummten mit den Sicherheitskräften. In Nantes warfen nach Angaben des Fernsehsenders BFM TV schwarz gekleidete Vermummte Steine auf Polizisten, die Beamten reagierten mit Tränengas.

Das Innenministerium hatte vor Krawallen von Anhängern des "Schwarzen Blocks" und "radikalen Gelbwesten" gewarnt. Allein in Paris waren wegen befürchteter Krawalle rund 6.000 Polizisten im Einsatz. Entlang der Pariser Demonstrationsroute wies die Polizei alle Geschäfte, Cafés und Restaurants an, zu schließen. Die Behörden verboten außerdem Proteste auf den Champs-Élysées, am Präsidentenpalast, am Parlament sowie an der Kathedrale Notre-Dame. Die Protestbewegung der Gelbwesten wollte sich den Demonstrationen der Gewerkschaften in Paris und anderswo anschließen.

Die derzeitigen Proteste wecken in Frankreich Erinnerungen an die Streiks im Jahr 1995. Damals wurde wochenlang gegen die Renten- und Sozialversicherungsreform des damaligen Premierministers Alain Juppé protestiert. Auch der aktuelle Streik könnte sich hinziehen. So drohte der Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, der Regierung erneut mit wochenlangen Protesten. Der Streik sei in vielen Bereichen verlängerbar, "das ist sicher", sagte er. Die Angestellten der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP wollen den Ausstand nach Angaben von Gewerkschaftern vorerst bis Montag verlängern.