Der Augenblick der Unsicherheit, der Moment wahrer Spannung also, scheint schon wieder vorbei zu sein.

Ganz kurz gab es in Washington, D.C., Gerüchte oder eher noch Spekulationen oder vielleicht ja auch nur die Frage, dass oder ob ein kleiner, naturgemäß mächtiger Kreis von Republikanern gerade einen Plan ausarbeite. Geheim müsse dieser Plan natürlich sein, ohne das winzigste Getuschel bis exakt zur Sekunde der Umsetzung. Mitch McConnell, Fraktionsvorsitzender und damit Mehrheitsführer im Senat, müsse einbezogen sein, vermutlich Vizepräsident Mike Pence, vermutlich der mächtige Senator Lindsey Graham. Eine schlaue Nachfolgeregelung müsse Teil des Plans sein, vielleicht mit Pence, eher noch mit Nikki Haley, der ehemaligen UN-Botschafterin, die die erste Präsidentin der USA werden und der Partei die Macht erhalten könne – welche Pointe in dieser wüsten Geschichte.

Vor allem aber, und dies wäre der Kern der Erzählung, würden also Pence, Graham und McConnell endlich und gemeinsam zu Donald Trump gehen und ihm sagen müssen, nun sei es vorbei – er müsse jetzt gehen, endlich.

Man darf dieses einige Wochen alte Gedankenspiel, ob wir es nun Gerücht, Spekulation oder Frage nennen, nicht überhöhen. Es gibt, on the record oder "unter eins", keine Quelle dafür, und es gibt nicht einmal "unter drei", also off the record oder anonym, etwas Belastbares. Vielleicht waren die Erfinder des Königsmords in Wahrheit bloß ein paar Journalisten, die an der Bar diskutiert hatten, wann die Republikaner diesen Donald Trump denn nun endlich fallen lassen würden.

Das müssen sie doch!

Sie werden doch nicht …

Doch, sie werden. 

Amerikas Republikaner haben sich bereits während der Wochen der Zeugenbefragungen und erneut in den vergangenen fünf Tagen festgelegt: Sie werden das Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten Donald Trump scheitern lassen und treu an dessen Seite verbleiben.

Seit dem vergangenen Donnerstag wissen wir: Die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus wird dieses Verfahren eröffnen, was schwerwiegend ist – das dritte Mal erst in der amerikanischen Geschichte. Ihre Anführerin Nancy Pelosi kündigte es an, und als ein Reporter sie fragte, ob sie Trump eigentlich hasse, sagte sie, dass sie Katholikin sei: "Ich hasse niemanden", sie bete für Donald Trump.

Das Verfahren ist nun vom Geheimdienstausschuss des Kongresses, der die Vernehmungen durchgeführt hat, in den Justizausschuss gewandert, wo die Anklage, die sogenannten Articles of Impeachment, ausgearbeitet wird, auf welche bereits vor Weihnachten die Abstimmung des gesamten Repräsentantenhauses folgen soll.

Aber wir wissen auch dies: Die republikanische Festung wird halten. Alle maßgeblichen Leute der Partei haben sich mittlerweile positioniert, und ihre Partei wird Trump schützen. Die sogenannte Grand Old Party, GOP., hält eine 53:47-Mehrheit in der zweiten Kammer, dem Senat, wo es für eine Amtsenthebung sogar eine Zweidrittelmehrheit bräuchte. Dort also, vermutlich im Januar oder Februar, wird dieses Drama enden, das die USA in diesem Winter wechselweise anwidert oder fasziniert, zweifelsfrei aber bannt und zu einem monothematisch auf seinen Präsidenten fixierten Land macht.