Nach dem Rücktritt von Antti Rinne vom Amt des finnischen Ministerpräsidenten hat die regierende Sozialdemokratische Partei die bisherige Verkehrs- und Kommunikationsministerin Sanna Marin zur neuen Regierungschefin gewählt. Marin gewann die Abstimmung im Rat der Sozialdemokraten knapp und wird nach ihrer voraussichtlichen Vereidigung am kommenden Dienstag mit 34 Jahren eine der weltweit jüngsten Regierungschefinnen. 

"Wir haben viel Arbeit vor uns, um Vertrauen zurückzugewinnen", sagte Marin. Politische Veränderungen sind von der neuen Regierungschefin eher nicht zu erwarten: "Wir haben ein gemeinsames Regierungsprogramm, dem wir uns verpflichtet haben", sagte sie. Auch die übrigen Koalitionspartner signalisierten, am bisherigen Programm festzuhalten. Das Kabinett soll ebenfalls unverändert bleiben.

Auf Fragen zu ihrem Alter sagte Marin: "Ich habe nie über mein Alter oder mein Geschlecht nachgedacht; ich denke an die Gründe, die mich in die Politik gebracht haben." Marin ist seit 2014 Vizechefin der sozialdemokratischen Partei, 2015 wurde sie ins Parlament gewählt. Ihr Ministeramt übernahm sie im Sommer bei der Vereidigung von Rinnes Kabinett. 

Finnland sitzt EU-Rat vor

Rinne war am Dienstag nach einem Streit innerhalb seiner Koalition zurückgetreten. Er stand an der Spitze eines breiten Bündnisses aus Sozialdemokraten, Liberalkonservativen, Zentristen, Grünen und Linken. Die Zentrumspartei, größter Juniorpartner der Koalition, entzog Rinne nach einem mehrwöchigen Streit über eine Postreform das Vertrauen und drohte, aus der erst seit Juni regierenden Koalition auszusteigen. Rinne reichte deshalb bei Präsident Sauli Niinistö seinen Rücktritt ein.

Der Wechsel an der Regierungsspitze könnte auch über Finnland hinaus Bedeutung haben: Das skandinavische Land hat aktuell den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne und ist unter anderem an der Ausarbeitung des EU-Haushaltsplans beteiligt. Erst kürzlich brachte die finnische Regierung einen Vorschlag ein, wie nach dem Brexit der Verlust von Großbritanniens Beitragszahlungen an die EU ausgeglichen werden soll.