Als Antwort auf die wochenlangen Sozialproteste in Chile hat die Regierung von Präsident Sebastián Piñera ein Maßnahmenpaket von 5,5 Milliarden US-Dollar (fünf Milliarden Euro) angekündigt. Finanzminister Ignacio Briones räumte am Montag ein, wegen der Krise sei 2020 eine "ambitionierte Haushaltspolitik" erforderlich. Er kündigte an, die Staatsausgaben kommendes Jahr um etwa drei Milliarden Dollar zu erhöhen; außerdem werde er Finanzhilfen für kleine und mittlere Unternehmen in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar freigeben.

Weitere 525 Millionen Dollar sollen für verschiedene Projekte ausgegeben werden, etwa für die Sanierung der U-Bahn in der Hauptstadt Santiago de Chile, die bei den Protesten stark beschädigt wurde. Das Maßnahmenpaket werde im kommenden Jahr "100.000 neue Jobs schaffen", versprach Briones.

Am 18. Oktober waren Proteste wegen einer Preiserhöhung der Fahrkarten für den Nahverkehr ausgebrochen. Sie wandelten sich schnell zu einer sozialen Bewegung, die die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dem südamerikanischen Land kritisierte. Auch niedrige Löhne bei zugleich hohen Kosten für Bildung und Gesundheit sind ein Thema. Die meisten Proteste waren friedlich, doch kam es auch zu Gewalt, Brandstiftung, Plünderungen und Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Es gab 23 Tote und mehr als 2.000 Verletzte. Viele Geschäfte blieben zwei Wochen lang geschlossen, mehrere U-Bahn-Linien fuhren nicht. Am Mittwoch vergangener Woche war eine Rekordzahl von 1,2 Millionen Menschen auf die Straße gegangen.

Polizeigewalt - Straßenschlachten in Santiago de Chile Bei den Protesten in Chile ist es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Amnesty International wirft der Polizei vor Demonstrierende misshandelt zu haben. © Foto: Martin Bernetti/AFP via Getty Images

Das Bruttoinlandsprodukt des Landes schrumpfte im Oktober um 3,4 Prozent, wie die Zentralbank Chiles am Montag mitteilte. Analysten zufolge wird die November-Bilanz noch schlechter ausfallen. Wirtschaftsminister Lucas Palacio schrieb auf Twitter, die Einbußen "reflektieren den sozialen Einfluss der Gewalt auf unser Land".  Infolge der Proteste hatte Chiles Regierung die UN-Klimakonferenz spontan abgesagt; statt in Santiago de Chile findet sie derzeit in Madrid statt.