Auf der Weltklimakonferenz in Madrid ziehen sich die Verhandlungen weiter in die Länge. Am Samstagvormittag wurden neue Textentwürfe veröffentlicht, an denen Verhandler die Nacht über gearbeitet hatten. Das Abschlussplenum, das eigentlich für Freitagabend geplant war, wurde weiter verschoben. In den bisher vollen und lauten Messehallen war es am Morgen ruhig und recht leer. Der politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend zu einem möglichen Abschluss: "Alles, was vor Samstagmittag wäre, wäre eine Sensation."

Besonders umstritten ist die Ausgestaltung von Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens, was von Anfang an ein zentrales Thema bei der Konferenz war. Der Artikel betrifft die Nutzung von Marktmechanismen zur Steigerung und Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge, also beispielsweise den Handel mit Emissionsrechten. So könnte ein Land wie Deutschland ein Solarkraftwerk in einem afrikanischen Land finanzieren, um dort die Nutzung fossiler Energieträger zu verringern. Die Emissionseinsparung könnte sich Deutschland dann auf die eigene CO2-Bilanz anrechnen lassen.

Gestritten wird unter anderem um Regelungen, durch die Doppelzählungen von Klimaschutzanstrengungen vermieden werden sollen. Außerdem sollen für die unter Artikel 6 fallenden Projekte soziale Mindeststandards festgeschrieben werden. Auch wollen einige Länder, wie Brasilien und Australien, durchsetzen, dass die unter dem Kyoto-Protokoll, dem Vorgänger des Pariser Klimaabkommens, erworbenen Verschmutzungsrechte weiter gelten sollen.

Neue Klimaschutzzusagen erst in einem Jahr

Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob die Überprüfung der nationalen Klimaschutzbeiträge bis zum Jahr 2020 in die Konferenzentscheidungen einfließen sollen. Bis dahin ist das Kyoto-Protokoll in Kraft, das lediglich die Industriestaaten zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichtete. Das Pariser Abkommen, das auch Schwellen- und Entwicklungsländer einbezieht, ist zwar bereits in Kraft getreten, seine Bestimmungen gelten offiziell aber erst ab 2020.

Ein weiterer zentraler Verhandlungspunkt ist die Frage, wie in der sogenannten Dachentscheidung der Konferenz darauf eingegangen wird, dass zur Umsetzung des Pariser Abkommens alle Staaten ihre Klimaschutzziele anheben müssen. Offiziell steht dieses Thema nicht auf der Agenda für das laufende Treffen, erst kommendes Jahr bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow müssen die Staaten des Pariser Abkommens ihre neuen Klimaschutzzusagen vorlegen.

Ob alle Streitpunkte bis zum Ende der Konferenz beigelegt werden können, ist nicht sicher. So schloss Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein Scheitern der Ausarbeitung von Artikel 6 nicht aus. Dazu liefen "noch schwierige Verhandlungen", sagte sie in Madrid. Falls sie ergebnislos bleiben sollten, hieße dies dennoch nicht, dass die Konferenz gescheitert sei. Zuvor begrüßte Schulze die EU-Vereinbarung zum Ziel der Klimaneutralität bis 2050 als "ganz entscheidende Weichenstellung".