Ein Treffen von US-Präsident Donald Trump und Russlands Außenminister ist von beiden Seiten unterschiedlich dargestellt worden: Während die US-Regierung anschließend mitteilte, Trump habe Lawrow dabei vor "jedem russischen Versuch einer Einmischung in die Wahlen der USA gewarnt", sagte dieser kurz darauf bei einer Pressekonferenz, das Thema Wahlbeeinflussung sei überhaupt nicht angesprochen worden. "Wir haben nicht einmal über Wahlen gesprochen."

Die US-Geheimdienste sind überzeugt davon, dass Russland hinter verdeckten Online-Eingriffen in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 steckte, aus der Trump als Sieger hervorging. Die von den US-Behörden untersuchten Interventionen durch Hackerangriffe und Verbreitung manipulativer Botschaften in den Onlinenetzwerken kamen Trump zugute und schadeten seiner Rivalin Hillary Clinton.

Der US-Sonderermittler Robert Mueller untersuchte fast zwei Jahre lag die mutmaßlichen russischen Eingriffe und auch diverse Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland. Er fand aber keine ausreichenden Belege für illegale Geheimabsprachen für eine Anklage.

Mueller-Report - "Niemand steht über dem Gesetz" Sonderermittler Robert Mueller sagt vor dem US-Kongress aus. Entlastend für Donald Trump war sein Ermittlungsbericht zur Russland-Affäre keineswegs. Was darin steht, sehen Sie hier im Video.

Trump hat den mutmaßlichen russischen Einfluss auf die Wahl 2016 wiederholt kleingeredet oder geleugnet. Er hängt vielmehr einer widerlegten Verschwörungstheorie an, wonach sich die Ukraine damals zugunsten der US-Demokraten in die Wahl eingemischt habe.

Dass Trump Lawrow empfing, sorgte in Washington für Stirnrunzeln. Es ist aus protokollarischer Sicht ungewöhnlich, dass ein US-Präsident den Außenminister eines anderen Landes im Weißen Haus empfängt. Die Begegnung weckte zudem Erinnerungen an ein Treffen der beiden Politiker im Oval Office im Mai 2017. Trump hatte dem russischen Außenminister damals einem Zeitungsbericht zufolge streng vertrauliche Geheimdienstinformationen enthüllt.

Lawrow traf bei seinem Besuch in Washington auch seinen US-Amtskollegen Mike Pompeo. Dieser sagte, eine Einmischung in innere Angelegenheiten sei "inakzeptabel". Sollten Russland oder ein anderer Staat die "demokratischen Verfahren" in den USA untergraben, werde die US-Regierung Gegenmaßnahmen ergreifen.