• Die Konservative Partei von Premierminister Boris Johnson hat bei der Wahl in Großbritannien einer ersten Prognose zufolge die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament gewonnen. Sollte sich die Prognose bestätigen, hätte der britische Premierminister Johnson gute Chancen, den Brexit umzusetzen. Er könnte das Land dann wie geplant am 31. Januar aus der EU führen.
  • Eine Neuwahl war notwendig geworden, nachdem Johnson seinen Plan für den Brexit nicht innerhalb der gesetzten Frist durchs Parlament bringen konnte. Die Abgeordneten des Unterhauses stimmten Ende Oktober zwar erstmals für ein Austrittsabkommen, forderten aber mehr Zeit für die notwendige Gesetzgebung.
  • Die EU hatte einen Antrag der britischen Regierung auf eine dreimonatige Fristverlängerung akzeptiert: Aktueller Austrittstermin ist der 31. Januar 2020.
  • Alles Wichtige zur Wahl in Großbritannien finden Sie hier.
  • Alles Wichtige zum EU-Austritt finden Sie auf unserer Brexit-Themenseite.
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Jurik Caspar Iser
In Großbritannien zeichnet sich bei der Neuwahl des Parlaments ein deutlicher Sieg für die Konservativen von Premier Boris Johnson ab. Sie holen laut einer ersten Prognose 368 der insgesamt 650 Sitze und haben damit einen Vorsprung von 86 Mandaten vor der Opposition.

Die Labourpartei kommt demnach auf 191 Mandate. Sollte sich dieser Ausgang bestätigen, wäre das für die britischen Sozialdemokraten ein historisch schlechtes Ergebnis. Die Schottische Nationalpartei (SNP) kommt der Prognose zufolge auf 55 der 59 Sitze in Schottland, die proeuropäischen Liberaldemokraten erzielen demnach 13. Ein belastbares Ergebnis ist allerdings erst am frühen Freitagmorgen zu erwarten.

Der britische Premierminister Boris Johnson könnte mit diesem Ergebnis seinen Brexit-Deal ohne Probleme durchs Parlament bringen und das Land dann wie geplant am 31. Januar aus der EU führen.

Johnson rief seine Anhängern bereits zum Feiern auf. Die Labourpartei reagierte noch zurückhaltend. Sollte sich die Prognose bestätigen, wird der Druck auf Jeremy Corbyn steigen. Einige Vertreter der Partei geben ihm bereits die Schuld für das sich abzeichnende schlechte Abschneiden.

Damit beenden wir dieses Liveblog.
Jurik Caspar Iser
Nach Ansicht des konservativen Staatsministers Michael Gove war die Unentschlossenheit des Labourchefs Jeremy Corbyn beim Brexit ein Grund für das schlechte Abschneiden der britischen Sozialdemokraten. Sollte sich die Wahlprognose bestätigen, dann verstärke das den Eindruck, dass "Corbyns Führung der Labourpartei ein Hindernis für die weitere Entwicklung dieses Landes darstellt", sagt Gove dem Fernsehsender ITV.

Corbyn hatte erst spät seine Haltung zum Brexit bekanntgegeben. Er wollte den EU-Austritt noch einmal verschieben, um einen eigenen Brexit-Deal auszuhandeln. Über den sollten die Briten dann in einem zweiten Referendum abstimmen. Die Alternative dazu wäre ein Verbleib in der Staatengemeinschaft gewesen.
Zacharias Zacharakis
Das britische Pfund hat nach Veröffentlichung der Prognose zur Parlamentswahl starke Gewinne verbucht. Die britische Währung machte gegenüber dem US-Dollar im Online-Handel mehr als zwei Prozent gut und kostete am Abend 1,347 Dollar. Gegenüber dem Euro stieg das Pfund um rund 1,4 Prozent auf 1,205 Euro. Damit kostete ein Pfund binnen Sekunden um zwei Euro-Cent mehr als vor Veröffentlichung der Prognose.

Auf die Devisenmärkte hatte sich zuletzt die politische Unsicherheit stark ausgewirkt. Die Währungshändler hatten auch befürchtet, dass Labourchef Jeremy Corbyn für den Fall eines Wahlsieges eine sozialistische Linie einschlagen könnte, bis hin zu Verstaatlichungen.
Jurik Caspar Iser

Wir leben in der großartigsten Demokratie der Welt

Premier Boris Johnson nach Veröffentlichung der ersten Prognose
Jurik Caspar Iser
Ein paar Reaktionen deutscher Politiker:

Der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann sieht mit dem wahrscheinlichen Sieg der Konservativen den Brexit am 31. Januar kommen. "Mir tut leid, dass die Menschen in #Großbritannien dafür die Zeche zahlen werden", twittert er. "Steueroasen und Dumping-Konkurrenz vor Europas Haustür werden wir verhindern müssen."
Linksparteichef Bernd Riexinger erwartet hingegen eine Phase der Unsicherheit für die Briten. "Es ist völlig unklar, wie die Tories das von ihnen angerichtete Chaos beseitigen wollen." Nun werde auch die Privatisierung der Gesundheitsversorgung auf der Insel weitergehen, glaubt Riexinger. "Die desaströse Politik der Tories geht wahrscheinlich in die nächste Runde", schreibt er.
Jurik Caspar Iser
Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon zeigt sich besorgt über den prognostizierten Ausgang der Parlamentswahl. Das Ergebnis sei bitter für das Land, schreibt sie auf Twitter.

Gleichzeitig freut sich Sturgeon über das starke Abschneiden ihrer Schottischen Nationalpartei SNP. Nach den Prognosen gewann die SNP 55 der 59 Wahlkreise in Schottland. Sturgeon dürfte das als Mandat für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum für den Landesteil deuten.
Jurik Caspar Iser
Die Labourpolitikerin Margaret Hodge gibt Jeremy Corbyn die Schuld für das schlechte Ergebnis, das sich abzeichnet. "Es gibt keine andere Sichtweise", schreibt sie.
Seb Dance, Europaabgeordneter der Labourpartei, äußert sich ähnlich:
Zacharias Zacharakis

Premierminister Boris Johnson reagiert in einer ersten Nachricht an seine Anhänger auf die Prognose. Er forderte sie zum Feiern auf. "Ich hoffe, ihr habt heute Abend Spaß auf einer Party", schreibt er in einer E-Mail an die Parteimitglieder. "Ihr habt die Kampagne getragen. Ohne euch hätten wir das nicht schaffen können."

Tatsächlich könnte das Ergebnis weit besser ausfallen als zunächst angenommen. Nach jetzigem Stand hätte Johnson eine Mehrheit von mehr als 40 Sitzen. Es wäre ein Triumph für ihn.

Bild: Tolga Akmen / AFP
Jurik Caspar Iser
Was bedeutet das Ergebnis für Jeremy Corbyn, wenn es sich denn bestätigt?

Der führende Labourpolitiker John McDonnell erklärt bereits, wenn die Nachwahlbefragung dem tatsächlichen Wahlergebnis nahekomme, sei das sehr enttäuschend. Sollte das der Fall sein, müssten er und Labourchef Jeremy Corbyn Entscheidungen über einen möglichen Rücktritt fällen.

"Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir angemessene Entscheidungen treffen", sagt er im BBC-Interview. Die Entscheidungen müssten wie immer im besten Sinne der Partei getroffen werden.

Die Wahl sei stark vom Brexit beeinflusst worden. Die Labourpartei sei nicht ausreichend mit ihrem Anliegen durchgedrungen, Themen wie etwa die Gesundheitspolitik im Wahlkampf zu setzen. "Die Menschen wollten offenbar den Brexit erledigt bekommen", sagt McDonnell. Dies sei aber längst nicht gewährleistet.
Marcus Gatzke
Boris Johnson hat die Neuwahl wahrscheinlich gewonnen. Die Mehrheit im britischen Unterhaus ist laut ersten Prognosen auch deutlich – sie könnte mehr als 40 Sitze betragen.

Wenn sich das Ergebnis bestätigt, ist damit klar, dass die britische Bevölkerung den Brexit umsetzen will. Auch wenn der EU-Austritt langfristig ein großer Fehler sein mag, es ist nach drei Jahren permanentem Streit wohl die beste Lösung, um die vollständige Blockade des ganzen Landes aufzulösen.

Johnson hätte jetzt zum ersten Mal auch ein echtes Mandat der britischen Bevölkerung. Bislang wurde er nur von den Mitgliedern der Tory-Partei zum Vorsitzenden und damit auch zum Premierminister gewählt.

Es wird spannend zu sehen, wie Johnson sich in den kommenden Monaten verhält. Schlägt er einen gemäßigteren Kurs ein? Wie will er die tiefen Gräben in der britischen Gesellschaft schließen?