Alle Jahre wieder, kurz vor Weihnachten, ist es wieder soweit: Die Regierungen der Welt treffen sich zur zweiwöchigen Klimakonferenz, diesmal in Madrid. Und auch alle Jahre wieder, versucht die Bundesregierung vorher ein bisschen Zweckoptimismus zu verbreiten. Es gehe darum, die Ambitionen zu steigern, heißt es aus Berlin. Möglichst viele Regierungen sollen ihre nationalen Pläne zum CO2-Sparen nachbessern. Denn klar ist: Mit dem, was auf dem Tisch liegt und auf dem bisherigen Treffen beschlossen wurde, lässt sich die Klimakrise nicht aufhalten.

Tatsächlich ist die Klimakonferenz in Madrid damit die derzeit wohl beste (vieler schlechter) Möglichkeiten, um die Versäumnisse beim CO2-Sparen erneut zum Thema zu machen. Sie bietet die Chance, die Regierungen für ihre anhaltende Ignoranz zu kritisieren. Auf der Konferenz wird man ihnen auf die Finger schauen, wenn sie übers Kleingedruckte streiten.

Besonders brisant ist diesmal der sogenannte Artikel sechs. Er soll regeln, wie Staaten gar nicht mehr im eigenen Land CO2-Emissionen sparen – sondern das billiger im Ausland erledigen lassen können und sich damit quasi freikaufen. Wenn das richtig schlecht läuft, dann öffnet sich hier die Tür für jede Menge Betrügereien mit CO2-Zeritifikaten.

Weltklimakonferenz - António Guterres will Abhängigkeit von Braunkohle beenden Der UN-Generalsekretär warnt auf der COP25 vor den Folgen des Neubaus und Weiterbetriebs von Kohlekraftwerken. In Madrid verhandeln die Staaten über Klimaschutzmaßnahmen. © Foto: Eduardo Parra/Europa Press/dpa

Kaum vorstellbar, dass nun die Wende kommt

Die Klimakonferenz ist aber auch der beste Beleg für ein kollektives Scheitern. Sie findet nun zum 25. Mal statt – und immer noch steigen die globalen CO2-Emissionen. Keine Ahnung, ob die Menschheit einfach zu blöd ist oder schlicht zu viele Zyniker an die Macht lässt. Derzeit ist es ist kaum vorstellbar, dass die Regierungen der Welt noch die dringend erforderliche Wende hinbekommen – egal ob mit oder ohne Konferenz. 

Beispiel Berlin: Anders als die vielen Tausend demonstrierenden Kinder sehen die Kanzlerin und ihre Minister offensichtlich nicht, dass wir kollektiv immer schneller in die Klimakrise schliddern.

Aktuelle Daten belegen, das sich die Welt immer rascher erwärmt. Ein Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit ist es im Mittel schon jetzt, in Deutschland sogar 1,5 Grad. Das verändert das Wetter: Hitzewellen und Dürren nehmen zu, Starkregen aber auch. Das bedroht die Menschen, schon nehmen die durch die Klimakrise bedingten Krankheiten zu, es bedroht Tiere und Pflanzen.

Unfassbar, gelinde gesagt

Und was macht die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze? Sie stellt in der vergangenen Woche eine Studie vor, die zeigt, wie sehr die Natur in Deutschland immer deutlicher unter der Erhitzung der Erdatmosphäre leidet. Und verteidigt dann gleichzeitig die völlig unzureichende Regierungspolitik. Ihr Kabinettskollege, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, schafft es nicht, den bereits vor knapp einem Jahr versprochenen Kohleausstieg zu organisieren. Dafür erledigt er ganz nebenbei die Windenergie. Und die Söders, Schwesigs und all die anderen Ministerpräsidenten stoppen die wichtigen Teile des sowieso zu kleinen Klimapaketchens im Bundesrat, weil sie Angst vor Steuerausfällen haben.

Wenn in Madrid nicht noch etwas ganz Überraschendes geschieht (und nichts deutet darauf hin), dann werden in zwei Wochen wieder viele Artikel über eine verpasste Chance geschrieben werden. Darüber, dass es nicht reicht. Dass sich das Klima noch in diesem Jahrhundert um drei oder vier Grad Durchschnittstemperatur erhitzen wird. Die Folgen von Jahr zu Jahr dramatischer werden. So dramatisch, dass sich irgendwann Regierungen und Redaktionen mit fast nichts anderem mehr beschäftigen werden als mit den sozialen, den finanziellen, den ökologischen Folgen der Klimaerhitzung. Dass das nach all den vielen Artikeln, den Zahlen und Daten, den Demonstrationen von Millionen Kindern immer noch nicht jedem klar ist – das ist, gelinde gesagt, unfassbar.

Klimawandel - Was, wenn wir nichts tun? Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.