Der internationale Atomstreit mit Nordkorea ist festgefahren. Erst zum Jahreswechsel hatte Diktator Kim Jong Un mit der Ankündigung provoziert, man werde das Testen von Langstreckenraketen und Atombomben wieder aufnehmen. Doch die Koreakrise in Ostasien ist mit der von Donald Trump angeordneten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani schlagartig in den Hintergrund gerückt. Dabei haben die internationalen Probleme mit dem Iran und mit Nordkorea eine zentrale Gemeinsamkeit: die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Was also bedeutet der Tod des Iraners Soleimani für Kim Jong Un? 

In der Nationalen Sicherheitsstrategie für 2017 führte der US-Präsident drei wesentliche Herausforderungen für die USA an: Neben Russland und China sowie terroristischen, vor allem dschihadistischen Bedrohungen sind es der Iran und Nordkorea.

Im Gegensatz zum Iran gehen Atomexperten bei Nordkorea davon aus, dass das Regime bereits über etwa zehn Atomsprengköpfe verfügt. Beide Staaten waren oder sind wegen ihrer Waffenprogramme mit UN- und US-Sanktionen belegt, zudem haben sich die Regime möglicherweise bei der Entwicklung von Raketen gegenseitig unterstützt.

Die beiden Länder sind zudem eine Gefahr für ihre jeweilige Region. Nordkorea bedroht mit seinen Raketen Ostasien, in erster Linie die US-Verbündeten Südkorea und Japan. Die Grenze zum Süden ist auf beiden Seiten so hochgerüstet wie sonst kein Gebiet auf der Welt. Im  Gegensatz zum Iran ist Nordkorea militärisch aber nicht im Ausland aktiv. Die Iraner unterstützen in Syrien mit ihren Milizionären den Schlächter Baschar al-Assad und sind für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich, auch im Libanon, im Jemen und im Irak ist das iranische Regime militärisch unterwegs. Organisiert und geleitet wurden diese Auslandseinsätze von dem jetzt getöteten General Kassem Soleimani.

Maximalforderungen, bevor überhaupt verhandelt wird

Die US-Regierung will, dass Diktaturen wie der Iran oder Nordkorea nicht über Massenvernichtungswaffen verfügen. Donald Trump will mit beiden Staaten darüber aber nur nach der Erfüllung von Maximalforderungen verhandeln. Im Falle Nordkoreas ist es eine nachvollziehbare Denuklearisierung, im Falle des Regimes in Teheran ist es nach dem Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Iran-Atomdeal 2018 die Umsetzung von zwölf Forderungen der US-Regierung, darunter der Rückzug iranischer Milizen aus Syrien, aber auch die komplette Aufgabe der Urananreicherung, die dem Iran jedoch als Mitglied des Atomwaffensperrvertrages zur friedlichen Nutzung der Atomkraft zusteht. Am Mittwoch kündigte Trump weitere, härtere Sanktionen gegen den Iran an und bekräftigte die Forderung, das Land müsse alle Atomambitionen aufgeben und seine Unterstützung für Terrorismus einstellen. 

Das Atomabkommen zwischen dem Iran, dem Westen sowie China und Russland existiert in seinen Grundzügen immerhin weiter, obwohl die Führung des Irans nach der Tötung Soleimanis und dem Ausstieg der USA sagt, man fühle sich nicht mehr daran gebunden. Das Land ist im Gegensatz zu Nordkorea weiterhin Teil des Atomwaffensperrvertrages und es sind Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde im Land unterwegs. Obwohl es sein kann, dass heimlich an Atomwaffen gearbeitet wird, will die Führung in Teheran den Iran nicht zu einem Außenseiterstaat machen, wie Nordkorea es geworden ist.