Die EU-Außenminister werden an diesem Freitagnachmittag bei einem Sondertreffen in Brüssel über die Krisenherde in Nahost und Libyen beraten. Von dem Treffen soll vor allem ein Signal der Geschlossenheit ausgehen. Die Staatengemeinschaft hatte in beiden Konflikten jüngst versucht, ihre diplomatischen Kanäle zu nutzen. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nimmt teil.

"Einfluss nehmen können wir nur, wenn wir unser Gewicht gemeinsam in die Waagschale werfen", sagte der deutsche Außenminister Heike Maas (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor dem Treffen. Er rief die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu einem geschlossenen Vorgehen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran auf. "Am Freitag wollen wir vor allem ein gemeinsames Vorgehen vereinbaren, um uns vor Ort für einen Abbau der Spannungen einzusetzen", sagte Maas.

Prekär sei die Lage auch im Irak. "Vor allem Irak droht unter die Räder der amerikanisch-iranischen Konfrontation zu geraten – und damit die hart erkämpften Erfolge bei der Stabilisierung und der Bekämpfung des IS", sagte der Außenminister mit Blick auf den sogenannten Islamischer Staat (IS).

Die Spannungen im Nahen Osten hatten zuletzt zugenommen, nachdem die USA vergangene Woche den iranischen Top-General Kassem Soleimani bei einem Luftangriff im Irak gezielt getötet hatten. Der Iran übte in der Nacht zum Mittwoch Vergeltung und griff zwei vom US-Militär genutzte Stützpunkte im Irak an. Zuvor hatte Teheran sich weiter aus dem Atomabkommen von 2015 zurückgezogen. Die EU hält – auch entgegen Forderungen von US-Präsident Donald Trump – jedoch an dem Abkommen fest.

Bundesregierung hofft Libyen-Konflikt zu entschärfen

Im nordafrikanischen Libyen herrscht hingegen seit dem vom Westen unterstützten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg. Die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch kämpft mit dem einflussreichen General Chalifa Haftar um die Macht. Dabei spielen auch ausländische Akteure eine Rolle: Al-Sarradsch wird unter anderem von der Türkei und Katar unterstützt. Russland, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere stehen aufseiten Haftars.

Die Bundesregierung bemüht sich im sogenannten Berliner Prozess seit Monaten um eine politische Lösung für Libyen. Zuletzt stellte Maas eine Konferenz mit internationalen Konfliktparteien für die kommenden Wochen in Aussicht. Zu dem Treffen an diesem Freitag wird auch der UN-Sondergesandte Ghassan Salamé erwartet.

Am Samstag reist EU-Ratschef Charles Michel wegen der Krise zu Gesprächen nach Istanbul und Kairo. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt ebenfalls am Samstag in Moskau mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin zusammen.