In Großbritannien ist die Boulevardpresse immer noch mächtig, auch wenn deren Auflagen langsam aber stetig sinken. Unter den Zeitungen mit der stärksten Verbreitung finden sich überwiegend Tabloids. Die Times rangierte im November 2019 auf Platz zehn, der Guardian lediglich auf Platz 19.  

Seit vielen Jahren, schon lange vor dem Brexit, stellen Titel wie Daily Mail, Sun und Daily Express die Europäische Union als Feind Großbritanniens dar – eine ferne, undemokratische Macht, die die Briten unterjochen will. Das Büro der EU-Kommission in London unterhält deshalb sogar eine eigene Website, um die sich ständig wiederholenden Mythen und Lügen zu entlarven.

Wenig verwunderlich, dass die Boulevardzeitungen in dem mehr als drei Jahre anhaltenden Kampf um den Brexit kräftig mitgemischt haben. Bereits vor dem Referendum 2016, aber auch danach, wurde mit der Flüchtlingskrise Stimmung gegen die EU gemacht. Mal wollte die EU sich an den Renten der Briten vergreifen, mal waren die britischen Steuereinnahmen in Gefahr oder die EU wollte die Küsten des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Diejenigen, die sich gegen den Brexit aussprachen oder Entscheidungen trafen, die ihn verzögerten, wurden häufig als Volksverräter karikiert.

ZEIT ONLINE hat die Cover der meistgelesenen britischen Zeitungen analysiert. Dafür haben wir rund 45.000 Zeitungscover aus der Datenbank Paperboy und #TomorrowspapersToday bei Twitter zusammengestellt, sie automatisch vorgefiltert und anschließend handverlesen. Wir zeigen die 2.393 Cover, die wir so dem Brexit zuordnen konnten.

Unklar ist, wie hoch schlussendlich der Einfluss der Medien auf das Ergebnis des Brexit-Referendums und den Verlauf der politischen Debatte in Großbritannien war. Aber wer die Spaltung des Landes und das teils vergiftete politische Klima in Großbritannien besser verstehen will, kommt nicht daran vorbei, auch die britische Boulevardpresse zu lesen.