Gegnerinnen und Gegner der geplanten Reform des französischen Rentensystems haben in Paris und anderen Städten des Landes protestiert. Die Demonstrierenden fordern, dass die Regierung ihre Pläne zurückzieht. Nach Angaben der einflussreichen Gewerkschaft CGT beteiligten sich daran knapp 250.000 Menschen. Anfang Januar hatte die Regierung von Präsident Emmanuel Macron auf die anhaltenden Proteste reagiert und einen Teil der Rentenreform zurückgezogen. Die geplante Anhebung des Eintrittsalters für eine Rente mit vollen Bezügen von 62 auf 64 Jahre wird vorerst ausgesetzt. Den Gewerkschaften reicht dies nicht aus.

In Frankreich gibt es 42 unterschiedliche Rentensysteme, die Regierung will sie zu einem vereinheitlichen. Die Gewerkschaften befürchten, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger arbeiten müssen und weniger Rente bekommen. Die Streiks und Proteste gegen die Reform begannen am 5. Dezember 2019 und haben unter anderem den öffentlichen Verkehr lahmgelegt. Zwar ging die Zahl der Streikenden inzwischen zurück, im landesweiten Zugverkehr und der Pariser Metro kam es dennoch zu Störungen.

Das Kompromissangebot spaltet die Gewerkschaften

Nach monatelangen Protesten hatte sich Regierungschef Édouard Philippe Mitte Januar erstmals bereit gezeigt, auf die mit der Reform geplante faktische Anhebung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre vorerst zu verzichten. Bis zum 15. April soll es eine von den Gewerkschaften vorgeschlagene Konferenz zur alternativen Finanzierung der Rentenreform geben. Bringt diese keine Einigung, will die Regierung die Rente mit 64 allerdings per Verordnung beschließen.

Das Kompromissangebot der Regierung spaltete die Gewerkschaften: Die größte Gewerkschaft CFDT sprach von einem "Sieg", die einflussreiche CGT dagegen von "Augenwischerei". Die CGT und andere Gewerkschaften fordern den vollständigen Verzicht auf die Reform, mit der Präsident Emmanuel Macron das Milliarden-Defizit der Rentenkassen abbauen will.