Angesichts der Proteste gegen die iranische Führung nach dem irrtümlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs hat die Bundesregierung die Sicherheitskräfte im Iran zur Zurückhaltung aufgerufen. Die iranische Bevölkerung müsse die Möglichkeit haben, "friedlich und frei zu protestieren", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Die Bundesregierung fordere deshalb die Sicherheitskräfte "zu größtmöglicher Zurückhaltung" auf.

In Teheran war am Wochenende eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Flugzeugabschusses in wütenden Protest umgeschlagen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen mehrere Hundert Demonstranten an der Amir-Kabir-Universität vor, die den Rücktritt der für den Abschuss  Verantwortlichen gefordert hatten. Medien zufolge soll die Polizei dabei auch mit scharfer Munition geschossen haben. 

Vor den Demonstrationen am Sonntagabend hatte die Polizei dann offenbar einen Befehl zur Zurückhaltung erhalten. Man habe sich in "Geduld und Toleranz" geübt, sagte Polizeigeneral Hossein Rahimi. Die Polizei habe "überhaupt nicht geschossen", weil sie einen "Befehl zur Zurückhaltung" bekommen habe.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten erst am Samstag die Verantwortung für den Abschuss der Maschine von der Ukraine International Airlines mit 176 Toten übernommen. Das sei gut, dennoch gebe es noch eine Reihe von Fragen, die geklärt werden müssten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine vollständige Aufklärung des Abschlusses verlangt habe. Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte Aufklärung: "Da müssen Fakten auf den Tisch", sagte sie. Der öffentliche Druck auf das Land sei gewachsen: Die Mullahs kämen "mit Lügen und Verheimlichungen nicht mehr weiter".

Flugzeugabsturz - Iran räumt unbeabsichtigten Abschuss von Passagierflugzeug ein Der Iran hat eingeräumt für den Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs verantwortlich zu sein. Ein "menschlicher Fehler" habe zu dem Abschuss geführt. © Foto: AFP