Der Iran hat die Drohung von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen. Trump hatte auf Twitter geschrieben, es gebe eine Liste mit 52 iranischen Zielen, die angegriffen würden, sollte der Iran US-Bürger oder US-amerikanische Einrichtungen angreifen. Der Oberbefehlshaber der iranischen Armee, General Abdolrahim Mussawi, sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, er bezweifle, dass die USA "den Mut haben", ihre Drohungen wahr zu machen. Mit solchen Äußerungen wollten die USA nur die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von ihren "abscheulichen und unentschuldbaren Taten" ablenken.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warnte die USA auf Twitter, jede Entscheidung, die Kulturstätten des Landes ins Visier zu nehmen, sei ein "Kriegsverbrechen".

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich erneut verschärft, nachdem bei einem US-Drohnenangriff im Irak der einflussreiche iranische General Kassem Soleimani gezielt getötet wurde. Soleimani war der Anführer der Al-Kuds-Brigaden, die de facto die Interessen der iranischen Revolutionsgarden im Ausland vertreten. Der oberste religiöse Führer im Iran kündigte nach dem Angriff "schwere Vergeltung" an. Auch der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde, Hussein Salami, drohte den USA: "Diese Vergeltung wird den Amerikanern richtig wehtun." Trump bezeichnete Soleimani nach dessen Tötung als "Terroristen Nummer eins".

Trauer um "General der Herzen"

Als Zeichen einer möglichen ersten Vergeltung schlugen nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Samstagabend Geschosse nahe der US-Botschaft in Bagdad sowie einem irakischen Stützpunkt ein, auf dem US-Soldaten stationiert sind. Die irakische Armee bestätigte beide Angriffe und erklärte, es habe keine Opfer gegeben.

Unterdessen haben im Iran tagelange Trauerfeiern für den getöteten General begonnen. Zehntausende haben nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna an dem Trauerzug in Ahwas im Südwestiran teilgenommen. Trauernde forderten den "Tod Amerikas", wie in Aufnahmen des iranischen Staatsfernsehens zu sehen war. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete, im iranischen Parlament hätten die Abgeordneten ihre Sitzung für mehrere Minuten unterbrochen und "Tod für Amerika" gesungen. Parlamentspräsident Ali Laridschani sagte demnach: "Trump, hör zu, das ist die Stimme der iranischen Nation." 

Weitere Trauerzeremonien sind in zwei Mausoleen in Maschad und Ghom sowie in der Hauptstadt Teheran geplant. Daran wird auch die iranische Führung teilnehmen. Die Beisetzung findet am Dienstag in Soleimanis Geburtsort Kerman, im Südosten des Landes statt.

Der 62-Jährige war sehr beliebt. Als Leiter der Ald-Kuds-Brigaden hatte er vor allem im Irak und in Syrien gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gekämpft. In den iranischen Medien wird er als "General der Herzen" bezeichnet.