Drei Tage lang hatte der Iran geleugnet – in der Nacht zum Samstag kam dann die Wende: Präsident Hassan Ruhani und Außenminister Mohammed Dschawad Sarif haben zugegeben, dass ihre Streitkräfte die ukrainische Passagiermaschine mit der Nummer PS752 am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran irrtümlich abgeschossen haben. "Das ist eine große Tragödie und ein unverzeihlicher Fehler", twitterte Ruhani. Er forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Familien der 176 Opfer zu entschädigen.

Sarif entschuldigte sich bei den Angehörigen der Absturzopfer. Zugleich wies der Außenminister dem "Abenteurertum der USA" in der Region eine Mitschuld zu. Der oberste Revolutionsführer Ali Chamenei aber forderte die iranischen Streitkräfte auf, sich mit dem eigenen Versagen zu beschäftigen. Immerhin hatte der Chef der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedzadeh, noch am Freitag vor Pressevertretern kategorisch ausgeschlossen, dass das Flugzeug von einer Rakete getroffen worden sei. Andere Vertreter des Regimes hatten gar von einer westlichen Verschwörung gesprochen, von "psychologischer Kriegsführung des Pentagon".

Kleinlautes Eingeständnis

Diese offensichtliche Uneinigkeit ist auch das Symptom eines erbitterten Machtkampfes innerhalb der Islamischen Republik, zwischen den Revolutionären Garden auf der einen und der moderaten Regierung auf der anderen Seite. Im Fall des Flugzeugabsturzes behielt die Regierung um Präsident Hassan Ruhani die Oberhand – und durchkreuzte die Absicht der Garden, den Abschuss zu vertuschen. Kleinlaut erklärte der Luftwaffenchef der Revolutionswächter, Amir Ali Hadschisadeh, im Staatsfernsehen, er übernehme die volle Verantwortung und werde sich allen Entscheidungen beugen, die jetzt getroffen würden.

Nach Angaben des iranischen Oberkommandos hatte sich der ukrainische Passagierjet einem strategisch wichtigen Raketentestgelände der Revolutionsgarden genähert, weshalb er für ein feindliches Kampfflugzeug gehalten worden sei. Alle Streitkräfte hätten sich in dieser Nacht wegen der iranischen Vergeltungsschläge gegen US-Truppen im Irak in "höchster Alarmbereitschaft" befunden. "Aus dieser Situation heraus wurde das Flugzeug getroffen – aus Versehen und ohne Absicht", heißt es in einer Stellungnahme. Darin werden die Revolutionären Garden zugleich aufgefordert, nun alle Informationen auf den Tisch zu legen, und zwar möglichst rasch.

Westliche Militärs waren bereits wenige Stunden nach der Katastrophe mithilfe von Satellitendaten und abgehörtem Funkverkehr zu dem Schluss gekommen, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zwei Raketen die Maschine getroffen hatten. Der Iran verfügt seit 2006 über einige russische Tor-Luftabwehrbatterien, bestückt mit SA-15-Raketen.