Zum Beginn des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump im Senat haben die Demokraten ihre Forderung nach der Anhörung weiterer Zeugen bekräftigt. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte, jeder Senator müsse nun entscheiden, ob das Verfahren der Wahrheitssuche oder dem Wunsch Trumps nach Vertuschung dienen solle. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte: "Jeden Tag kommen neue belastende Informationen hinzu." Republikanische Senatoren, die keine neuen Zeugen anhören wollten, "haben Angst vor der Wahrheit".

Das historische Amtsenthebungsverfahren im Senat hatte am Donnerstagmittag begonnen. In der ersten Sitzung verlas der führende Anklagevertreter des Repräsentantenhauses, der Demokrat Adam Schiff, zunächst die Anklagepunkte gegen den Republikaner Trump. Dem US-Präsidenten werden darin Machtmissbrauch und Behinderung der Ermittlungen des Repräsentantenhauses vorgeworfen. Anschließend wurde der oberste US-Richter John Roberts als Leiter des Verfahrens vereidigt. Roberts nahm seinerseits den 100 Senatoren den Eid ab. Trump nannte das Verfahren "eine Schande".

Am nächsten Dienstag kommt der Senat wieder zusammen. Dann soll der inhaltliche Teil des Impeachment-Verfahrens beginnen. Die Demokraten fordern die Anhörung von Trumps geschäftsführendem Stabschef Mick Mulvaney, von dessen Berater Robert Blair, vom früheren Nationalen Sicherheitsberater John Bolton sowie von Michael Duffy, einem Mitarbeiter des Budgetbüros des Weißen Hauses. Bolton hatte vergangene Woche überraschend erklärt, er sei zur Aussage bereit

John Bolton zu Aussage bereit

Schumer sagte: "Wir erwarten, dass wir am Dienstag über diese Zeugen abstimmen werden." Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, hatte dagegen am Dienstag gesagt, der Senat werde über die Frage von Zeugen abstimmen, nachdem man die Argumente der Anklagevertreter und der Verteidiger Trumps gehört habe.

Trump ist nach Andrew Johnson und Bill Clinton der dritte Präsident der Geschichte der USA, der sich einem Amtsenthebungsverfahren im Senat stellen muss. Die Demokraten hatten es vor dem Hintergrund der Ukraine-Affäre angestrengt. Die Aussichten auf Erfolg sind für sie allerdings gering. Die Senatoren entscheiden über eine Verurteilung oder einen Freispruch Trumps. Dessen Republikaner haben in der Kammer mit 53 der 100 Sitze eine Mehrheit. Für eine Amtsenthebung Trumps müsste eine Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren für mindestens einen der beiden Anklagepunkte stimmen. Das gilt als extrem unwahrscheinlich.