Das Anwaltsteam von US-Präsident Donald Trump hat das gesamte Amtsenthebungsverfahren im Kongress als gesetzeswidrig zurückgewiesen. Bei dem Prozedere handele es sich um eine "gefährliche Attacke auf die Rechte des amerikanischen Volkes, seinen Präsidenten frei wählen zu können", hieß es in einer Antwort der Verteidiger auf eine Vorladung des Senats. Dort wurde das Impeachment-Verfahren am Donnerstag formal eröffnet.

In dem sechsseitigen Schreiben nennen seine Anwälte das Verfahren "einen dreisten und gesetzeswidrigen Versuch, die Ergebnisse der Wahl 2016 zu kippen und sich in die Wahl 2020 einzumischen, die noch Monate entfernt ist". Die beiden Anklagepunkte gegen Trump – Machtmissbrauch und Behinderung der Ermittlungen des Repräsentantenhauses – verstießen gegen die Verfassung, so das
Schreiben der Verteidiger des Präsidenten. Die Anklagepunkte beinhalteten weder Straftaten noch Gesetzesverstöße, geschweige denn "schwere Verbrechen oder Vergehen" – Gründe, die in der Verfassung unter anderem als Anlässe für ein Amtsenthebungsverfahren gelten. Sie seien darüber hinaus "das Produkt eines ungültigen Verfahrens", das dem Präsidenten jedes Recht verwehrt habe. 

Acht Juristen verteidigen den Präsidenten

Die Reaktion der Anwälte auf die Vorladung gilt als Vorgeschmack auf die Rhetorik, der sich die Verteidigung ab Dienstag im Senat bedienen dürfte. Trumps Juristenteam hatte vor wenigen Tagen prominente Unterstützung durch Ken Starr und Alan Dershowitz bekommen. Starrs Ermittlungen legten 1998 den Grundstein für das letztlich erfolglose Impeachment-Verfahren gegen Bill Clinton. Der Harvard-Juraprofessor Dershowitz war einer der Anwälte, die 1995 im Mordprozess gegen den einstigen Footballstar und Schauspieler O.J. Simpson einen Freispruch erwirkten. Geleitet wird die achtköpfige Mannschaft nach Angaben aus dem Weißen Haus von Pat Cipollone, dem Rechtsberater des Weißen Hauses, und von Trumps persönlichem Anwalt Jay Sekulow. 

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump hat am Donnerstag im Senat offiziell begonnen. Die Eröffnungsplädoyers sollen am Dienstag gehalten werden. Die Demokraten werfen Trump Machtmissbrauch und Behinderung der Ermittlungen des Kongresses vor. Nach ihrer Auffassung hielt der Republikaner vom Kongress genehmigte Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von knapp 400 Millionen Dollar  zurück, um Präsident Wolodymyr Selenskyj dazu zu bewegen, Ermittlungen gegen Ex-US-Vizepräsident Joe Biden und dessen Sohn Hunter einzuleiten. Beide sollten angeblich in Korruptionsfälle verwickelt sein. Joe Biden gilt als aussichtsreicher Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten und damit als potenzieller Rivale von Trump, der im November 2020 wiedergewählt werden will. Trump ist der dritte Präsident in der Geschichte der USA, der sich im Senat einem Amtsenthebungsverfahren stellen muss. Er hat die Vorwürfe gegen ihn wiederholt zurückgewiesen.