Der Iran hat in der Nacht zum Mittwoch zwei von internationalen Truppen genutzte Stützpunkte im Irak mit ballistischen Raketen beschossen. Das teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Insgesamt seien mehr als ein Dutzend ballistischer Raketen eingeschlagen, so das Pentagon.

US-Militärbasen unter Beschuss

Neben der US-Luftwaffenbasis Ain al-Assad im Westirak sei ein Stützpunkt in Erbil im Norden Iraks betroffen, in dem auch deutsche Soldaten stationiert sind. Die USA prüften derzeit das Ausmaß der Schäden. Nach Angaben der Bundeswehr wurden aber keine deutschen Soldaten verletzt.

In Erbil, im nordirakischen Kurdengebiet, sind mehr als 100 deutsche Soldaten als Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Einsatz. Aus dem Zentralirak hatte die Bundeswehr ihre Soldaten am Montag wegen zunehmender Sicherheitsbedenken bereits ausgeflogen. Auch die Nato hat damit begonnen, einen Teil ihrer Truppen vorübergehend in andere Länder zu verlegen.

Der Iran bekannte sich zu den Angriffen. In einer Erklärung im iranischen Staatsfernsehen sagten die iranischen Revolutionsgarden, sie hätten die Stützpunkte als Vergeltung für die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch das US-Militär beschossen. Sie forderten die USA auf, ihre Truppen aus der Region abzuziehen. "Jetzt, da sie unsere Macht erkannt haben, ist es Zeit für die Vereinigten Staaten, ihre Soldaten aus dem Nahen Osten abzuziehen", sagt Generalstabschef Mohammad Bakeri. Soleimani war am Dienstag in seiner Heimatstadt Kerman beerdigt worden.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bezeichnete das Raketenfeuer in einer ersten Regierungsstellungnahme als "verhältnismäßigen" und rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung". Er schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Wir streben nicht nach einer Eskalation oder einem Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen." 

US-Luftfahrtbehörde verhängt Flugverbot

Kurz nach der Nachricht über die Angriffe kamen US-Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Mark Esper im Weißen Haus zusammen, um mit Präsident Donald Trump über die Lage zu beraten. Trump kündigte für Mittwoch eine offizielle Stellungnahme an.

Eingekreist

US-Stützpunkte in der Krisenregion

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Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA reagierte umgehend und untersagte US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens. Über dem Persischen Golf, dem Golf von Oman, im Irak und im Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge "wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen" nicht mehr operieren, teilte die Behörde mit. Es gebe ein erhöhtes Risiko, dass ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Angst vor Stellvertreterkrieg im Irak

Irak - Video zeigt offenbar Angriff auf US-Stützpunkt Als Vergeltung für die Tötung von General Kassem Soleimani hat der Iran US-Militärbasen im Irak angegriffen. Zu möglichen Opfern haben sich die USA bisher nicht geäußert. © Foto: Reuters/Ari Jalal

Der EU-Botschafter im Irak Martin Huth warnte vor einem Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Iran auf irakischem Boden. "Der Irak verdient es nicht, Opfer eines Stellvertreterkrieges zu werden!", twitterte der Deutsche in der Nacht zum Mittwoch. Mit den Angriffen verletze der Iran die Souveränität des Irak.

Am Mittwoch wollen sich die EU-Kommissare zu einer Sondersitzung wegen der eskalierenden Krise treffen. Am Freitag ist zudem ein Krisengespräch der EU-Außenminister geplant. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte jüngst in dem Konflikt vor einer "Spirale der Gewalt" und rief zur Zurückhaltung auf.