Die im Iran abgeschossene ukrainische Passagiermaschine ist US-Medienberichten zufolge von insgesamt zwei Raketen getroffen worden. Die New York Times und das Wall Street Journal berichteten über ein Video, das die Abschüsse zeigen soll. Beide Medien gaben an, das Video verifiziert zu haben.

Auf den verschwommenen Aufnahmen ist demnach zu sehen, wie zwei Geschosse im Abstand von 20 bis 30 Sekunden das Flugzeug treffen. Sie seien aus knapp 13 Kilometern Entfernung von einem iranischen Militärstützpunkt abgefeuert worden. Nach Angaben der New York Times soll das neue Video vom Dach eines Gebäudes im Dorf Bidkaneh aufgenommen worden sein – etwa sechs Kilometer von dem Militärstützpunkt entfernt. Ein iranischer Nutzer soll es in der Nacht zu Dienstag auf YouTube hochgeladen haben.

Das neue Video könnte den Berichten zufolge auch erklären, warum das Kommunikationssystem des Flugzeugs nicht funktioniert habe, bevor die Maschine von der zweiten Rakete getroffen wurde. Möglicherweise habe die erste Rakete das System außer Betrieb gesetzt, bevor das Flugzeug ein zweites Mal getroffen worden sei. Keine der beiden Raketen habe die Maschine demnach sofort zum Absturz gebracht. Vielmehr habe sie Feuer gefangen und sei zunächst in Richtung des Flughafens zurückgesteuert, bevor sie explodierte und abstürzte.

Hinweise darauf, dass das Flugzeug von zwei Raketen getroffen wurde, hat es bereits seit mehreren Tagen gegeben. US-amerikanische Überwachungssatelliten hatten laut Berichten des Fernsehsenders CBS und der New York Times zwei Infrarotimpulse registriert, die auf zwei Raketenstarts hingedeutet hatten. Zudem startet das Luftabwehrsystem Tor-M1 üblicherweise zwei Lenkraketen kurz nacheinander, um das anvisierte Ziel sicher zu treffen. Teile einer Rakete des Tor-M1-Systems wurden unter anderem von der Rechercheplattform Bellingcat auf Grundlage mehrerer Bilder, die den Kopf einer Rakete in einem Straßengraben nahe des Absturzortes zeigen, identifiziert.

Festnahmen von Verantwortlichen

176 Menschen sind bei dem Absturz des ukrainischen Flugzeuges vergangene Woche gestorben. Nach tagelangen Dementis und internationalem Druck hatte der Iran den versehentlichen Abschuss der Passagiermaschine zugegeben. Zum Zeitpunkt des Abschusses hatte der Iran mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak auf die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals Kassem Soleimani durch die USA geantwortet und einen Gegenschlag befürchtet.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten unter anderem einen Defekt im militärischen Kommunikationssystem verantwortlich gemacht. Das Flugzeug wurde als potenzielle Gefahr eingestuft und fälschlicherweise für einen Marschflugkörper gehalten. Auf Grund des Defekts habe der zuständige Offizier nicht mit der Zentrale kommunizieren können und über den Umgang mit dem potenziellen Angriff innerhalb weniger Sekunden entscheiden müssen.

Nach Angaben der Regierung hat es Festnahmen von Verantwortlichen des Flugzeugabschusses gegeben. Details wurden dazu nicht genannt.

Die iranische Führung steht sowohl international als auch im eigenen Land unter Druck. In den vergangenen Tagen kam es wiederholt zu Protesten. An der Teheraner Universität soll es zuletzt bei Demonstrationen Zusammenstöße zwischen Studierenden und den regierungstreuen Basidsch-Milizen gegeben haben. Das war auf online verbreiteten Videos zu sehen. Bei den Protesten wurden nach iranischen Justizangaben bislang etwa 30 Menschen festgenommen.