Im Irak ist erneut ein von US-Soldaten genutzter Stützpunkt getroffen worden. Die Angaben dazu sind widersprüchlich: Nach Angaben des Militärs waren es Raketen des Typs Katjuscha, die den Stützpunkt Balad trafen. Wie die Polizei der Provinz Salah al-Din mitteilte, schlugen insgesamt neun Mörsergranaten ein. Nach Angaben aus Militärkreisen wurden vier irakische Soldaten verletzt. Die meisten US-Soldaten hatten die Basis Balad nördlich der Hauptstadt Bagdad wegen der Spannungen mit dem Iran demnach bereits vorher verlassen.

Wer den Angriff ausführte, ist unklar. In den vergangenen Tagen waren im Irak mehrfach Raketen in der Nähe von Stützpunkten eingeschlagen, an denen US-Truppen stationiert sind. Auch der Stützpunkt Balad war betroffen. US-Außenminister Mike Pompeo zeigte sich auf Twitter "empört über Berichte über einen weiteren Raketenangriff auf eine irakische Luftwaffenbasis." Auch forderte er die irakische Regierung auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: "Diese fortgesetzten Verletzungen der Souveränität des Iraks durch Gruppen, die der irakischen Regierung nicht loyal sind, müssen ein Ende haben."

Möglicher Hintergrund sind Vergeltungsaktionen des Iran für die Tötung des Milizen-Generals Kassem Soleimani durch die USA vergangene Woche. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte der Iran im Irak mehrere Ziele attackiert, die von internationalen Truppen genutzt werden. Dabei habe vor allem gezeigt werden sollen, "dass wir jeden Standort treffen können", sagte ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden am Sonntag im Staatsfernsehen. Die Bundeswehr verlegte daraufhin ihre Soldaten aus Erbil im Norden nach Jordanien, von wo aus sie seit Längerem die internationale Militäraktion gegen den "Islamischen Staat" unterstützt. Am Sonntag wurde bekannt, dass die Bundeswehr ihre Aufklärungsflüge von dort aus gestoppt hat.

Demonstranten in Teheran fordern Rücktritt Chameneis

In Teheran gingen Hunderte Menschen auf die Straße. Anlass ist der versehentliche Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs durch die Luftabwehr der Revolutionsgarden. Die Menschen protestierten gegen das Regime, warfen ihm Lügen vor und forderten den Rücktritt des geistlichen Oberhauptes Ajatollah Ali Chamenei. Uniformierte gingen mit Tränengas gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vor.

US-Präsident Donald Trump erklärte seine Solidarität mit den Demonstranten und warnten die iranische Führung vor Gewalt. "Es darf kein weiteres Massaker an friedlichen Demonstranten geben", schrieb Trump auf Twitter, unter anderem auf Persisch, "die Welt schaut zu." US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte, Trump sei weiterhin "ohne Vorbedingungen" zu Gesprächen mit dem Iran bereit. "Das Angebot steht noch", sagte Esper dem Sender CBS. "Es ist immer noch die rechtmäßige Regierung, wenn man so will, des Irans." Iran aber wies die Solidaritätsadresse Trumps an die Demonstranten zurück. Trump habe zudem kein Recht, auf Persisch zu twittern, entgegnete ein Außenamtsssprecher.

Hisbollah drohen

Auch das Golf-Emirat Katar sprach sich für Deeskalation aus. Die "einzige Lösung" für die aktuellen Konflikte in der Region liege in einer Deeskalation von allen Seiten und im Dialog, sagte der Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani, nach einem Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Teheran. In Katar befindet sich einer der größten Militärstützpunkte der USA in der Region.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah drohte, der iranische Beschuss der internationalen Stützpunkte Mitte der Woche seien nur der Beginn der Vergeltung für die Tötung Soleimanis gewesen. "Die Amerikaner müssen ihre Basen, Soldaten und Offiziere und Schiffe aus unserer Region entfernen", sagte der Chef der mit dem Iran verbündeten Hisbollah. "Die Alternative dazu, senkrecht zu gehen, ist, waagerecht zu gehen", sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede. "Wir sprechen über den Beginn einer neuen Phase, über eine neue Schlacht, über eine neue Ära in der Region."

Regime wirft britischem Botschafter Anstachelung vor

Aufsehen löste die kurzzeitige Festnahme des britischen Botschafters in Teheran aus. In iranischen Medien hieß es, Rob Macaire habe die regierungskritischen Proteste angestachelt. Der Botschafter wies das zurück. Er sei vielmehr zu einer Trauerwache für die Opfer des abgeschossenen ukrainischen Passagierflugzeugs gegangen und habe diese verlassen, als dort regierungskritische Rufe laut geworden seien.

Teheran - Angela Merkel und Boris Johnson verurteilen Festnahme von Botschafter Ein britischer Botschafter war am Samstag vorübergehend in Teheran festgenommen worden. Laut iranischen Medien habe er regierungskritische Proteste angetrieben. © Foto: Ebrahim Noroozi/dpa

Am Sonntag wurde Macaire ins Außenministerium in Teheran einbestellt. Ein Abgeordneter forderte, ihn auszuweisen. Großbritanniens Premier Boris Johnson und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierten nach einem Telefonat die Festnahme des Botschafters. In Teheran versammelten sich 200 Demonstranten vor der britischen Botschaft und verbrannten eine Flagge Großbritanniens und eine Flagge des Erzfeinds Israel.

Bundeswehr stellt Flüge aus Jordanien ein

Die Bundeswehr teilte mit, dass der letzte Aufklärungsflug von Jordanien aus am 7. Januar gestartet sei. Das bei der Anti-IS-Mission eingesetzte deutsche Kontingent wird von der jordanischen Luftwaffenbasis Al-Asrak aus geführt. Von Jordanien aus war die Luftwaffe mit Tornado-Aufklärern und Tankflugzeugen am Einsatz gegen den IS beteiligt – darunter mit Flügen über Syrien und dem Irak.