US-Präsident Donald Trump hat die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani verteidigt. Der Anführer der Al-Kuds-Brigaden der Iranischen Revolutionsgarden hätte schon "vor vielen Jahren" getötet werden müssen, schrieb Trump auf Twitter. "General Kassem Soleimani hat über einen langen Zeitraum Tausende Amerikaner getötet oder schwer verletzt, und plante, viele weitere zu töten."

Soleimani sei "direkt und indirekt" sogar für den Tod von "Millionen von Menschen" verantwortlich, einschließlich der bei den jüngsten Protesten im Iran getöteten Menschen, schrieb Trump weiter. Auch wenn es die iranische Führung nicht zugeben werde, sei der General in seinem Land "gehasst und gefürchtet" worden. Worauf sich Trump bei den "Millionen" Toten bezog, war zunächst unklar.

Soleimani war in der Nacht auf Freitag bei einem von Trump angeordneten US-Drohnenangriff am Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. "Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache", zitierte das iranische Staatsfernsehen aus einem Beileidsschreiben des geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei.

UN-Generalsekretär António Guterres hat vor der Gefahr eines Krieges gewarnt. "Die Welt kann sich keinen neuen Golfkrieg erlauben", sagte Guterres. Zugleich rief er alle Staaten zu "Deeskalation" und "maximaler Zurückhaltung" auf.

Irak - Iranischer General durch US-Raketen getötet Bei einem Luftangriff des US-Militärs wurde der iranische General Kassem Soleimani getötet. Irans Außenminister spricht von internationalem Terrorismus seitens der USA. © Foto: Iraqi Security Media Cell

Pompeo: "Wir wollen keinen Krieg mit dem Iran"

US-Außenminister Mike Pompeo hat die Regierung des Iran zur "Deeskalation" aufgefordert. Der Iran solle sich nun wie ein normales Land verhalten und nicht mehr Terroristen in der ganzen Region unterstützen, sagte Pompeo im Gespräch mit dem US-Sender Fox News. "Wir wollen keinen Krieg mit dem Iran", sagte Pompeo. Er war der erste ranghohe Vertreter der US-Regierung, der sich nach dem tödlichen Luftangriff in Bagdad öffentlich äußerte.

Soleimani soll einen unmittelbar bevorstehenden Angriff geplant haben, bei dem zahlreiche Amerikaner getötet werden sollten, sagte Pompeo dem Nachrichtensender CNN unter Verweis auf Geheimdienste. Der Angriff hätte "Dutzende, vielleicht sogar Hunderte Leben von US-Bürgern in Gefahr gebracht" und unmittelbar bevorgestanden. Die Tötung Soleimanis sei daher ein Akt der Selbstverteidigung gewesen, sagte der US-Minister.

Er hoffe, dass die Führung in Teheran die "Entschlossenheit" der US-Regierung anerkenne und "dass sie sich entscheidet, zu deeskalieren", sagte Pompeo Fox News. Sollte der Iran einen anderen Weg verfolgen und die USA erneut herausfordern, seien Präsident Donald Trump und die gesamte US-Regierung bereit, "angemessen zu antworten". Die USA "werden nicht zusehen, wie die Iraner eine Eskalation betreiben und weiterhin die Leben amerikanischer Staatsbürger in Gefahr bringen", so Pompeo.

Durch Soleimanis Tod seien der Irak und der Nahe Osten heute sicherer und hätten eine bessere Chance auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit, sagte Pompeo. "Die Abwesenheit von Kassem Soleimani ist ein Segen für diese Region", sagte Pompeo. Der US-Luftangriff habe für die Region "Risiken verringert". An Kritiker in den USA gerichtet sagte Pompeo, der Einsatz sei "komplett legal" und "strategisch richtig" gewesen.

Die USA hatten in dieser Woche infolge gewaltsamer Proteste an der US-Botschaft in Bagdad bereits 100 Soldaten aus Kuwait an die diplomatische Vertretung verlegt. Zudem wurden 750 zusätzliche Soldaten aus den USA in die Region verlegt. Weitere stünden bereit, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Derzeit haben die USA rund 5.000 Soldaten im Irak stationiert.

Raketenangriff - Drohende Eskalation im Iran Nach der Tötung des Generals Kassem Soleimani durch das US-Militär verschärft sich die Situation im Iran. Präsident Hassan Rohani kündigte Widerstand gegen die USA an. © Foto: Reuters TV

US-Opposition kritisiert Angriff

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders warf Trump eine gefährliche Eskalation vor. Dies könne zu einem weiteren Krieg mit Billionenkosten und zahllosen Toten führen. Mitbewerberin Elizabeth Warren nannte Soleimani zwar einen Mörder, der Tausende Menschen auf dem Gewissen habe, darunter Hunderte US-Bürger. Trumps Vorgehen könne jedoch zu einem neuen Konflikt mit noch mehr Toten führen. Der Unternehmer und Präsidentschaftsbewerber Andrew Yang rief zur Deeskalation auf. Krieg mit dem Iran sei das Letzte, was Amerika brauche.

Republikanische Senatoren begrüßten den Angriff. Der Präsident sei iranischer Aggression mutig entgegengetreten, sagte Senator Lindsey Graham. "Wenn ihr noch mehr wollt, werdet ihr noch mehr bekommen", sagte er in Richtung der iranischen Regierung. Senator James Inhofe lobte, Trump habe auf die Bedrohung von US-Bürgern und -Soldaten reagiert. Deeskalation sei zwar besser und auch möglich, "aber nur, wenn unsere Gegner sich dafür entscheiden".