Die USA bieten dem Iran an, Gespräche zu führen. "Wir sind bereit für ernsthafte Verhandlungen mit dem Iran ohne Vorbedingungen", schrieb die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat. Ziel möglicher Verhandlungen müsse es sein, eine weitere Gefährdung des internationalen Friedens sowie eine weitere Eskalation durch den Iran zu verhindern.

Craft wies darauf hin, dass die USA in den vergangenen Jahren immer wieder auf eine diplomatische Lösung des Konflikts bestanden hätten. Falls die Situation in Nahost es aber erfordere, seien die Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, "zusätzliche Maßnahmen" zu ergreifen, um Amerikaner in der Region zu schützen. Für den Fall, ihre Bürger aus dem Nahen Osten ausfliegen zu müssen, verlegten die USA bereits mehrere Hubschrauber und Flugzeuge nach Zypern.

Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch mit einem angekündigten Angriff auf zwei von den USA genutzte Militärbasen im Irak auf die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani geantwortet. Dabei waren nach US-Angaben elf Raketen im Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad westlich von Bagdad und fünf in Erbil eingeschlagen. Die Iraker sprachen von 22 Raketen. Sie gingen demnach über Standorten der von den USA angeführten internationalen Koalition zur Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nieder. Im Irak sind auf mehreren Stützpunkten rund 5.000 US-Soldaten stationiert. Der Iran hatte auch eine Militärbasis im Raum Erbil angegriffen. Dort sind etwa 100 deutsche Soldaten im Einsatz, die unversehrt blieben.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte, die irakische Regierung müsse dringend über die Zukunft des internationalen Militäreinsatzes entscheiden. Deutschland sei bereit, den Einsatz fortzusetzen, sagte die CDU-Politikerin nach einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags. Die Bundeswehr ziehe allerdings etwa 26 der noch mehr als 100 Männer und Frauen aus dem Einsatz in Erbil ab, weil deren Einsatzzeit abgelaufen sei.

Nato will mehr Engagement im Nahen Osten prüfen

Die Nato reagierte auf Trumps Aufforderung, das Militärbündnis müsse zusätzlich zur Stabilität im Nahen Osten und dem Kampf gegen Terrorismus beitragen. Die Nato habe das Potenzial dazu, sagte Stoltenberg. "Und wir prüfen, was wir zusätzlich tun können."

Die EU wies darauf hin, dass sie das Atomabkommen mit dem Iran entgegen dem Willen Trumps nicht aufgeben will. Das Abkommen sei eine wichtige Errungenschaft gewesen und bleibe ein wichtiges Werkzeug für die Stabilität in der Region, teilte der Sprecher von EU-Ratschef Charles Michel mit, nachdem Michel mit dem iranischen Präsidenten Ruhani telefonierte. Michel habe Ruhani dazu aufgerufen, unwiderrufliche Handlungen zu unterlassen. Trump hatte die an dem Abkommen beteiligten Staaten Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Russland und China am Mittwoch dazu aufgerufen, nicht länger daran festzuhalten.