Nachdem der Iran die Verantwortung für den Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs übernommen hatte, haben in der Hauptstadt Teheran Tausende Menschen gegen das Regime protestiert. Das berichten unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters und die New York Times. Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, zeigen aufgebrachte Menschenmassen auf der Straße sowie Sicherheitskräfte, die zum Teil gewaltsam gegen die Proteste vorgehen.

Anlass für die Proteste ist der Abschuss von Flug PS752 durch die Revolutionsgarden in der Nacht zum Mittwoch. Nach tagelangen Dementis hatten die Streitkräfte zugegeben, die ukrainische Boeing 737 mit 176 Menschen an Bord versehentlich abgeschossen zu haben. Die Passagiermaschine sei für einen Marschflugkörper gehalten worden, hieß es. Die Mehrheit der Passagiere waren Iraner.

Wut richtet sich gegen Ajatollah Ali Chamenei

Die Protestierenden forderten unter anderem den Rücktritt von Irans geistlichem Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Laut Berichten von Journalisten vor Ort handelte es sich bei den Versammlungen zunächst um Trauermärsche für die Opfer des Flugzeugabschusses, die sich dann in Proteste gegen die Regierung verwandelt hätten. "Tod den Lügnern!" sowie "Tod dem Diktator!" skandierten die Demonstranten, die sich nach eigenen Aussagen von ihrem Regime belogen fühlen.

Die Revolutionsgarden seien inkompetent und "eine Schande" für das iranische Volk, riefen Demonstranten. Chamenei sei ein Mörder und müsse gehen. Viele der Protestierenden sollen Studenten sein; der Protest bildete sich den Berichten zufolge zunächst auf dem Campus von Teherans Amirkabir-Universität, ehe die Menschen begannen, sich auf öffentlichen Plätzen zu versammeln. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vor. Bislang unbestätigten Berichten zufolge hat das Regime außerdem damit begonnen, Internetverbindungen im Land lahmzulegen.

Präsident Ruhani: "Unverzeihlicher Fehler"

Flug PS752 ist abgeschossen worden, nachdem der Iran zwei von den USA genutzte Militärbasen im Irak mit Raketen beschossen hatte. Getötet oder verletzt wurde dabei niemand. Der Angriff war eine Reaktion auf die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff am Flughafen von Bagdad.

Den Absturz des Flugzeuges begründeten iranische Behörden zunächst mit einem technischen Defekt. Internationale Ermittlerteams fanden jedoch Hinweise auf einen Raketenangriff, den die Revolutionsgarden nun zugegeben haben. Irans Präsident Hassan Ruhani bezeichnete den Vorfall als "unverzeihlich". Die für den Abschuss verantwortliche Person soll demnach vor ein Militärgericht gestellt werden.

Bereits vor der Eskalation des US-iranischen Konflikts durch die Tötung Soleimanis hat es im Iran massive Proteste gegen die Regierung gegeben. Grund war eine Erhöhung der Benzinpreise und die allgemeine wirtschaftliche Lage des Landes. Der Iran leidet massiv unter US-Sanktionen nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen, das den Bau iranischer Nuklearwaffen verhindern sollte. Viele Menschen leben unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit ist gerade unter jungen Menschen hoch. Das Regime ließ die Proteste im November niederschlagen, Hunderte verloren dabei ihr Leben.

Flugzeugabsturz - Iran räumt unbeabsichtigten Abschuss von Passagierflugzeug ein Der Iran hat eingeräumt für den Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs verantwortlich zu sein. Ein "menschlicher Fehler" habe zu dem Abschuss geführt. © Foto: AFP