Der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, belastet einem Bericht zufolge Präsident Donald Trump schwer. Trump habe ihn angewiesen, eine Militärhilfe für die Ukraine so lange zurückzuhalten, bis diese Ermittlungen gegen Trumps politischen Rivalen Joe Biden aufnehme, heißt es in einem Auszug seines am 17. März erscheinenden Buches, wie eine mit dem Manuskript vertraute Person der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Dies würde den zentralen Vorwurf gegen Trump in der Ukraine-Affäre bestätigen und der Verteidigungsstrategie des Präsidenten widersprechen. Zuerst hatte die New York Times darüber berichtet.  

Trump selbst wies die Darstellung auf Twitter zurück. Er habe dem früheren Sicherheitsberater nie etwas über eine vermeintliche Verbindung dieser Art erzählt. "Sollte John Bolton dies gesagt haben, dann nur, um ein Buch zu verkaufen", teilte Trump in der Nacht zum Montag mit.

Der US-Präsident soll im vergangenen August zu seinem damaligen Sicherheitsberater gesagt haben, die Militärhilfe von 391 Millionen Dollar (354 Millionen Euro) solle eingefroren bleiben, bis die Ukraine ihm mit den Ermittlungen gegen den Ex-Vizepräsidenten helfe. Laut der New York Times sei Trump von hochrangigen Regierungsvertretern, darunter Bolton, Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Mark Esper, wochenlang gedrängt worden, die vom Kongress genehmigten Gelder freizugeben.

Auf Dutzenden Seiten beschreibt Bolton laut dem Bericht, wie sich die Ukraine-Affäre über mehrere Monate entwickelte. Dabei gehe es nicht nur um Trumps private Geringschätzung der Ukraine, sondern auch um neue Details über hochrangige Kabinettsmitglieder, die versuchten, einer Beteiligung an Trumps Handeln auszuweichen. So soll etwa Mike Pompeo in privaten Kreisen bestätigt haben, dass es keine Grundlage für die Behauptungen von Trumps Anwalt Rudy Giuliani gebe, dass die Botschafterin in der Ukraine korrupt sei.

Demokraten fordern erneut eine Zulassung weiterer Zeugen

Die Demokraten forderten angesichts des Zeitungsberichts umgehend, Bolton im laufenden Impeachment-Prozess im Senat als Zeugen vorzuladen. Trump habe während der Untersuchung zur Ukraine-Affäre im Repräsentantenhaus eine Aussage Boltons blockiert, schrieb Anklageführer Adam Schiff auf Twitter. "Jetzt sehen wir warum: Bolton widerspricht direkt dem Kern der Verteidigung des Präsidenten."

Die Demokraten fordern, im Senatsprozess Bolton und mindestens drei weitere wichtige Zeugen zur Ukraine-Affäre vorzuladen. Trumps Republikaner blockieren das bislang mit ihrer Mehrheit in der Kongresskammer. Bolton hatte kürzlich signalisiert, dass er einer Vorladung des Senats folgen würde.

Trump hatte den Sicherheitsberater im vergangenen September entlassen. Beide waren bei mehreren sicherheitspolitischen Themen unterschiedlicher Meinung. Medienberichten zufolge hatte Bolton große Bedenken gegen das Vorgehen Trumps im Umgang mit der Ukraine. Er sprach demnach von einem "krummen Ding" und bezeichnete Giuliani als eine Schlüsselfigur der Ukraine-Affäre, als "Handgranate, die noch jeden in die Luft sprengen wird".

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