Die EU hat den Ablauf der Wahl des venezolanischen Parlamentspräsidenten kritisiert. "Diese Unregelmäßigkeiten stehen nicht in Einklang mit einem rechtmäßigen Wahlprozess für den Präsidenten der Nationalversammlung", sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. "Sie stellen einen neuen Schritt bei der Verschlechterung der venezolanischen Krise dar." Daher werde die EU weiterhin Juan Guaidó als Parlamentspräsidenten anerkennen. Dies gelte, bis eine angemessene Wahl durchgeführt worden sei.

Verbündete des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hatten versucht, Parlamentspräsident Juan Guaidó aus dem Amt zu wählen. Nationalgardisten hatten Guaidó und weitere seiner Abgeordneten daran gehindert, das Parlamentsgebäude zu betreten, als dort die Neuwahl des Vorsitzenden der Nationalversammlung auf der Tagesordnung stand. Auch die unabhängige Presse wurde von der Sitzung ausgeschlossen. Bei der Wahl des Parlamentspräsidenten spaltete sich das Parlament anschließend und wählte zwei konkurrierende Vorsitzende. Etwa 100 Abgeordnete der Opposition bestätigten den bisherigen Vorsitzenden und selbsternannten Interimspräsidenten Guaidó im Amt. Parlamentarier der regierungstreuen Sozialistischen Einheitspartei und Abtrünnige des Oppositionsbündnisses wählten dagegen Luis Parra zum neuen Parlamentspräsidenten.

Parra gehörte bis Dezember der Oppositionspartei Primero Justicia an, die Teil des Bündnisses um Guaidó ist. Er wurde von seiner Partei ausgeschlossen, nachdem Oppositionsvertreter ihn des Versuchs beschuldigt hatten, andere Parlamentarier mit hohen Bestechungssummen für Maduro zu gewinnen.

Anhängern Guaidós zufolge fand die Wahl Parras im Kongressgebäude ohne das notwendige Quorum statt. Anhänger Parras gaben hingegen an, er sei regelkonform mit 84 Stimmen von 150 anwesenden Abgeordneten gewählt worden. Das venezolanische Parlament besteht aus 165 Volksvertretern.

Die US-Regierung sprach Guaidó nach der Wahl ihre Glückwünsche aus. Dieser sei der "legitime Anführer der Nationalversammlung und damit der legitime Übergangspräsident Venezuelas", sagte US-Außenminister Mike Pompeo. Die USA gehören ebenso wie Deutschland zu den mehr als 50 Staaten, die Guaidó als Staatschef anerkennen.

Venezuela befindet sich in einer Krise. Seit etwa einem Jahr herrscht ein Machtkampf in dem südamerikanischen Land. Guaidó war Anfang 2019 zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt worden, weil seiner Oppositionspartei Voluntad Popular turnusgemäß der Vorsitz zustand. Am 23. Januar erklärte er sich dann zum Interimspräsidenten des Landes und forderte Staatschef Maduro offen heraus.