Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat den USA vorgeworfen, mit dem tödlichen Angriff auf Kassem Soleimani gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben. Das Vorgehen der Amerikaner führe zu einer Eskalation der Lage im Nahen Osten, sagte Lawrow seinem Ministerium zufolge nach einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif. 

Mehrere westliche Staats- und Regierungschefs hatten nach der Tötung Soleimanis vor einer Eskalation im Nahen Osten gewarnt. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) beriet mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian am Telefon über die Spannungen im Nahen Osten. Er habe auch mit dem chinesischen Kollegen Wang Yi telefoniert, sagt Le Drian. Alle drei seien sich einig gewesen, dass jede Eskalation vermieden werden müsse. Vor allem sei es notwendig, die Stabilität und Souveränität des Irak und der gesamten Region zu erhalten.

In Israel will sich nach Medienberichten am Sonntag der engste Kabinettskreis um Regierungschef Benjamin Netanjahu mit möglichen Racheangriffen des Iran auf israelische Ziele befassen. Seit dem US-Angriff in Bagdad ist Israel in erhöhter Alarmbereitschaft. Nach einem Bericht des israelischen Fernsehens sollen die USA Israel über den Angriff auf Soleimani mehrere Tage vorher informiert haben.

Soleimani, Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, und Abu Mahdi al-Muhandis, der Vizechef der Hasched-al-Schaabi-Milizen, waren in der Nacht zum Freitag durch einen von US-Präsident Donald Trump angeordneten Drohnenangriff nahe dem Flughafen von Bagdad getötet worden. Der Iran drohte den USA mit "schwerer Vergeltung". Am Samstag nahmen Tausende Irakerinnen und Iraker in Bagdad an einem Trauerzug für Soleimani teil.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani teilte mit, über die Gefahr einer Eskalation mit US-Außenminister Mike Pompeo gesprochen zu haben. Er habe in dem Telefonat betont, "dass afghanischer Boden nicht gegen ein Drittland oder in regionalen Konflikten eingesetzt werden darf", schrieb Ghani auf Twitter. In Afghanistan sind derzeit rund 12.000 US-Soldaten stationiert.

Heiko Maas kündigt direkte Gespräche mit dem Iran an

"Wir werden in den kommenden Tagen alle Hebel in Bewegung setzen, um einer weiteren Eskalation der Lage entgegenzuarbeiten – in den Vereinten Nationen, der EU und im Dialog mit unseren Partnern in der Region, auch im Gespräch mit dem Iran", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas der Bild am Sonntag. Maas steht seit Freitagmorgen in Kontakt mit seinen britischen und französischen Kollegen, mit dem Hohen Vertreter der EU, Josep Borrell, und mit US-Außenminister Mike Pompeo. Anfang der Woche will sich der Außenminister mit seinem britischen Kollegen Dominic Raab und dem Franzosen Jean-Yves Le Drian treffen und über den Konflikt beraten.

Eine britische Regierungssprecherin kündigte an, dass Raab am Donnerstag Mike Pompeo in Washington treffen werde. Zudem werde Premierminister Boris Johnson in den nächsten Tagen wahrscheinlich mit Donald Trump, Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Lage sprechen. Johnson hat sich bislang noch nicht öffentlich zu der Tötung von Soleimani geäußert.