Deutschland und Frankreich wollen sich auf EU-Ebene für einen Ausstieg aus dem umstrittenen Massentöten männlicher Küken einsetzen. Das sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Rande einer Fachkonferenz mit ihrem französischen Amtskollegen Didier Gillaume in Berlin. Demnach soll das Vorhaben unter anderem während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte vorangebracht werden.

Beide Länder nannten als gemeinsames Ziel, die Praxis des Kükenschredderns bis Ende 2021 zu beenden. Dafür sollten laut Klöckner Zwischenetappen festgelegt werden, die zunächst geprüft werden müssten. Der Ausstieg müsse auch im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit verträglich gestaltet werden, sagte die CDU-Politikerin.

500 Millionen Küken jährlich europaweit geschreddert

In Deutschland werden jährlich 45 Millionen männliche Küken geschreddert, da sie keine Eier legen und weniger Fleisch ansetzen als weibliche Hühner. Etwa genauso viele sind es in Frankreich, europaweit sind es nach Angaben Klöckners eine halbe Milliarde pro Jahr.

2019 hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, das Kükentöten langfristig zu verbieten, da es ethisch nicht vertretbar sei. Das Gericht ließ jedoch eine zeitlich offene Übergangsfrist zu, in der das Verfahren angewandt werden darf – so lange, bis Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen. Dann würden männliche Küken gar nicht erst schlüpfen.

Der Tierschutzbund kritisierte das von Klöckner angestrebte Ausstiegsdatum. Im Koalitionsvertrag stehe, dass das Kükentöten bereits zur Mitte der aktuellen Legislaturperiode beendet werden solle, was im Oktober 2019 der Fall gewesen wäre. Der agrarpolitische Sprecher der Grünenfraktion Friedrich Ostendorff wies darauf hin, dass das "ethisch nicht zu rechtfertigende Töten der männlichen Küken" ein Problem der Intensivierung der Lebensmittelproduktion sei. "Mitgeschöpfe werden zu ökonomischen Zählgrößen degradiert", sagte er.

Klöckner verteidigt Vorgehen

Klöckner verteidigte das von ihr angestrebte Vorgehen. Es gehe darum, den Ausstieg aus der Praxis so zu gestalten, dass Brütereien ihre Standorte in Deutschland halten könnten. Würden stattdessen Eier aus anderen Ländern bezogen, in denen es kein Verbot des Kükenschredderns gibt, würde das dem Tierschutz nicht helfen, insofern gehe "Gründlichkeit vor Schnelligkeit".

Der FDP-Agrarpolitiker Gero Hocker forderte, die Politik dürfe ein Verbot nicht gegen die technischen Möglichkeiten, die aktuell verfügbar seien, durchsetzen. Nicht von der Politik, sondern an der Ladenkasse werde letztendlich über das Ende des Kükentötens entschieden: "Die Verbraucher steuern mit ihrem Kaufverhalten, was produziert wird." Nötig sei eine "echte Marktreife" der Früherkennung des Kükengeschlechts im Ei, verlangte Hocker. Den Vorschlag des EU-weiten Verbots unterstützte er.

Auch Vertreter der Geflügelwirtschaft zeigten sich für Klöckners Vorhaben offen, mahnten jedoch, dass ein Ausstieg bis Ende 2021 nur unter "größter Kraftanstrengung" machbar sei.