Die Krise im Bürgerkriegsland Libyen weitet sich aus. Bei einem Luftangriff auf eine Militärakademie in der Hauptstadt Tripolis sind am Samstag mindestens 30 Menschen getötet worden. Bei den Toten handele es sich mehrheitlich um Militäranwärter, sagte Amin Al-Haschemi, der Sprecher des Gesundheitsministeriums der international anerkannten Regierung in Tripolis. 33 weitere seien verletzt worden.

Die Regierung in Tripolis machte die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar für den Angriff verantwortlich, die UN-Unterstützungsmission für Libyen verurteilte den Angriff. Der Sprecher von Haftars Libyscher Nationalarmee, Ahmed al-Mesmari, beteuerte, die Nationalarmee habe die Angriffe nicht geflogen, vielmehr seien es islamistische Terroristen gewesen. Keine Seite legte Beweise für ihre Vorwürfe vor.

Ein Rebellensprecher wies dies zurück. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 ist Libyen weitgehend ohne staatliche Autorität. Milizen ringen um die Vorherrschaft in dem ölreichen Land. Haftar und seine Libysche Nationalarmee kontrollieren den Osten des Landes, wo auch das Parlament seinen Sitz hat. Er versucht seit etwa acht Monaten, Tripolis einzunehmen. 

Haftar wird von Russland, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien unterstützt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte in den vergangenen Wochen immer wieder darüber gesprochen, möglicherweise Truppen nach Libyen zu schicken. Das türkische Parlament gab ihm am Donnerstag für ein Jahr die Erlaubnis für eine solche Militärintervention in dem Bürgerkriegsland. Diese Entscheidung schürte Sorgen vor einer weiteren Eskalation.    

Guterres warnt vor Verschärfung des Konflikts

Das libysche Parlament hatte anschließend die geplante türkische Intervention als "Hochverrat" kritisiert und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, gegen die Pläne der Türkei vorzugehen. Auch US-Präsident Donald Trump kritisierte Erdoğans Vorhaben und sagte, eine Einmischung aus dem Ausland verkompliziere die Situation in dem nordafrikanischen Krisenstaat.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte zuletzt, eine stärkere ausländische Unterstützung der Kriegsparteien würde den Konflikt verschärfen und eine Friedenslösung erschweren. Er forderte am Wochenende alle internationalen Akteure dazu auf, das vom UN-Sicherheitsrat verhängte Waffenembargo einzuhalten. Einem vertraulichen UN-Bericht zufolge, den die Nachrichtenagentur AFP eingesehen hat, verstießen Jordanien, die Türkei sowie die Vereinigten Arabischen Emirate bereits mehrfach gegen das Embargo.