Einen Tag vor der geplanten Libyen-Konferenz in Berlin hat der UN-Sondergesandte für das Bürgerkriegsland, Ghassan Salamé, einen Abzug ausländischer Kämpfer gefordert. "Wir haben einen Sicherheitsplan vorgelegt, der den Abzug aller ausländischen Kämpfer vorsieht, gleich welcher Nationalität", sagte Salamé der arabischen Zeitung Al-Sharq al-Awsat. Er fordere ein Ende der ausländischen Einmischung in den Konflikt.

Ziel der Gespräche, zu denen Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Januar Vertreter aus mehr als zehn Ländern empfängt, sei es, neben der internationalen Einmischung auch den illegalen Waffenschmuggel nach Libyen zu unterbinden, sagte Salamé. Unter anderem werden der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der russische Staatschef Wladimir Putin und US-Außenminister Mike Pompeo in Berlin erwartet.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit Jahren ein Bürgerkrieg, in den sich immer mehr ausländische Akteure und Kämpfer eingeschaltet haben. Die weitgehend machtlose Regierung in Tripolis unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch wird dabei von den Truppen des Generals Chalifa Haftar bedrängt, der in Ostlibyen seine wichtigste Machtbasis hat. Haftar und seine Verbündeten beherrschen auch dank ausländischer Hilfe weite Teile des Landes, die Regierung nur kleine Gebiete rund um die Hauptstadt Tripolis. Beide Seiten haben international unterschiedliche Unterstützer.

Erdoğan warnt vor Terrorgefahr in Europa

Vor der Konferenz warnte Erdoğan vor erhöhter Terrorgefahr in Europa, sollte die von den UN anerkannte Einheitsregierung in Tripolis stürzen. "Europa wird mit einer Reihe neuer Probleme und Bedrohungen konfrontiert sein, wenn die legitime libysche Regierung fällt", schrieb er in einem Beitrag in der US-Zeitschrift Politico. Darin fordert er die EU auf, sich hinter die türkische Militärhilfe für die Regierung in Libyen zu stellen. "Angesichts der Tatsache, dass Europa weniger Interesse an einer militärischen Hilfe für Libyen hat, wäre die offensichtliche Möglichkeit, mit der Türkei zusammenzuarbeiten, die bereits militärische Hilfe leistet", schrieb Erdoğan.

Bisher gibt es in Libyen lediglich eine Feuerpause. Diese solle bei der Berliner Konferenz in einen "echten Waffenstillstand" übertragen werden, der zudem überwacht werden solle, sagte der UN-Sondergesandte Salamé. Weiterhin soll auch die Sicherheitslage sowie die Zukunft bewaffneter Gruppen in und um Tripolis in Berlin besprochen werden.