Das Urteil des ehemaligen französischen Botschafters Michel Duclos geriet wenig schmeichelhaft. "Alle Diplomaten, die Haftar begegnet sind, haben ihn als mit Orden dekorierten Rabauken beschrieben, der unfähig ist, sich einer politischen Logik unterzuordnen", schrieb er. Legendär ist vor allem die Starrköpfigkeit des eigenwilligen Militärführers, die auch Russlands Präsident Wladimir Putin vergangenes Wochenende zu spüren bekam. Weil sich der 76-jährige selbst ernannte Feldmarschall aus Libyen von seinen russischen Gastgebern nicht ausreichend hofiert fühlte, reiste er kurzerhand wieder ab, ohne das vom Kreml vorbereitete Abkommen für einen Waffenstillstand zu unterschreiben. 

Diesen riskanten Eklat allerdings hätte Haftar nie riskiert ohne seine engsten regionalen Verbündeten im Rücken – Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Alle drei Staaten stehen seit Jahren an seiner Seite und setzen auf einen militärischen Sieg Haftars, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Ägypten verspricht sich vor allem eine Sicherung seiner heiklen Ostgrenze zu Libyen, durch die Terroristen und Waffenschmuggler einsickern. Abu Dhabi und Riad wiederum schätzen Haftars kompromisslose ideologische Haltung gegenüber Islamisten aller Schattierungen.

Waffen und Ausrüstung für Haftars Libysche Nationalarmee (LNA) kommen in erster Linie aus diesen drei Staaten, auch wenn er seine jüngsten Kampferfolge gegen Tripolis vor allem russischen Söldnern verdankt, die seine Streitmacht seit September als Scharfschützen und Artillerieexperten verstärken. Hinzu kommen von den Golfstaaten finanzierte Kontingente aus dem Sudan und dem Tschad.

Aus der Reihe der europäischen Mächte sympathisiert einzig Frankreich mit Haftar, der nach neun Monaten Bürgerkrieg inzwischen einen Großteil Libyens kontrolliert. Erst kürzlich konnten seine Truppen die strategisch wichtige Küstenstadt Sirte einnehmen. Im Süden stehen sie bereits an den Außenbezirken der libyschen Hauptstadt.

Erst Jahre nach Gaddafis Sturz wurde Haftar, was er heute ist

1943 in Ajdabiya geboren, besuchte Chalifa Haftar die Militärschule in Bengasi, ging dann nach Moskau und Kairo zur Offiziersausbildung. In der libyschen Armee diente er zunächst unter Gaddafi und gehörte 1969 beim Putsch gegen König Idris zu Gaddafis engsten Getreuen. Im Jom-Kippur-Krieg gegen Israel 1973 befehligte Haftar ein kleines libysches Kontingent. 

Nach der Niederlage Libyens im achtjährigen Grenzkrieg gegen den Tschad geriet er 1987 in Gefangenschaft und fiel bei Gaddafi in Ungnade. 1990 wurde er durch die CIA freigekauft und floh in die Vereinigten Staaten, wo er zwei Jahrzehnte lang lebte und die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Mit Beginn des Volksaufstandes gegen Gaddafi kehrte Haftar 2011 nach Libyen zurück, konnte aber weder den Nationalen Übergangsrat im Osten noch die Rebellen im Westen von seinem Wert als Militärführer überzeugen.

Frustriert kehrte er zurück nach Virginia, bis er im Mai 2014 plötzlich ein weiteres Mal im Osten Libyens auftauchte und per Videobotschaft allen islamistischen Milizen den Kampf ansagte. Drei Jahre dauerte seine Operation "Würde", dann hatte er alle Dschihadisten aus Bengasi vertrieben und begann, Tripolis ins Auge zu fassen.