Das Parlament in Libyen hat gegen zwei umstrittene Abkommen der libyschen Regierung mit der Türkei über die Aufteilung von Interessenszonen im Mittelmeer und Militärhilfe gestimmt. Das Parlament, das den General Chalifa Haftar gegen die Regierung in Tripolis unterstützt, beschloss auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch wegen "Hochverrats". Das teilte der Sprecher des Abgeordnetenhauses, Abdullah Blaihak, mit.

Al-Sarradsch hatte die beiden Abkommen Ende November mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterzeichnet. Dabei geht es um Seegrenzen im Mittelmeer sowie um die militärische Zusammenarbeit beider Länder. Letzteres würde es der Türkei erlauben, Truppen nach Libyen zu entsenden, um Al-Sarradsch gegen Haftar zu unterstützen.

Erdoğan hatte in vergangenen Wochen immer wieder über eine mögliche Entsendung von Truppen nach Libyen gesprochen. Das türkische Parlament gab ihm am Donnerstag für ein Jahr die Erlaubnis für eine solche Militärintervention in dem Bürgerkriegsland.

Mit dem Abkommen über Seegrenzen erhebt die Türkei auch Anspruch auf Gebiete nahe der griechischen Insel Kreta, wo reiche Erdgasvorkommen vermutet werden. In den vergangenen Jahren waren im Osten der Mittelmeerinsel Zypern reiche Gasvorkommen entdeckt worden. Griechenland, Zypern, Israel und Ägypten haben dort Wirtschaftszonen festgelegt, in denen sie nach Erdöl und Gas bohren wollen.

In Libyen konkurrieren die Regierung von Al-Sarradsch und die Libysche Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar um die Macht. Das Parlament im Osten Libyens unterstützt Haftar, der eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet hat. Sarradsch genießt den Rückhalt der Vereinten Nationen, Italiens, Katars und der Türkei, kontrolliert aber nur einen kleinen Teil des Landes. Haftar zählt unter anderem auf Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Russland und Frankreich.