Die beiden Konfliktparteien aus dem umkämpften Bürgerkriegsland Libyen werden Medienberichten zufolge in Moskau erwartet, um ein bereits in Kraft getretenes Abkommen über eine Waffenruhe zu unterzeichnen. Dies solle eine Wiederbelebung des politischen Prozesses ermöglichen, berichtete die russische Staatsagentur Tass unter Berufung auf den Vorsitzenden des obersten Staatsrates von Libyen, Chaled al-Mischri. Der von den Vereinten Nationen (UN) anerkannte Regierungschef Fajis al-Sarradsch und der einflussreiche General Chalifa Haftar würden in der russischen Hauptstadt erwartet, meldete auch die Nachrichtenagentur Interfax. Ob es dabei auch zu einem direkten Treffen von Sarradsch und Haftar komme, sei noch unklar, zitierte die Agentur den Leiter der russischen Libyen-Kontaktgruppe, Lew Dengow. Laut Interfax bestätigte das Moskauer Außenministerium, dass ein Treffen geplant sei.

In der Nacht auf Sonntag hatte Haftar überraschend einer von der Türkei und Russland vorgeschlagenen Waffenruhe zugestimmt und damit vorsichtige Hoffnungen auf ein Ende der monatelangen Gefechte aufkommen lassen. Die Feuerpause wurde kurz nach Mitternacht (Ortszeit/23.01 Uhr MEZ) wirksam. Beide Konfliktparteien warfen sich allerdings umgehend Verstöße vor.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul angemahnt. Die Türkei unterstützt die Regierung von Ministerpräsident Sarradsch und hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Soldaten in das nordafrikanische Land zu schicken. Russland unterstützt dagegen – wie Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – General Haftar, der eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet hat.

Haftar hat weite Teile Libyens unter seiner Kontrolle und genießt den Rückhalt des Parlaments mit Sitz im Osten des Landes. In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.

Die Bundesregierung hofft, in naher Zukunft einen Libyen-Gipfel in Berlin abhalten zu können. Er soll unter UN-Führung stattfinden und der Auftakt eines längeren Verhandlungsprozesses sein.