Schon kurz nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe in der Nacht zum Sonntag hat es in zwei Randbezirken in der Hauptstadt Tripolis Verstöße dagegen gegeben. Ein Kommandeur der selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar sagte, die Regierung habe "mit allen möglichen Waffen, darunter Artillerie, an mehr als einer Front" gegen die Waffenruhe verstoßen. Die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis sprach von Gewehrfeuer unmittelbar nach Mitternacht, als die Waffenruhe eigentlich in Kraft treten sollte. Man selbst fühle sich dem Abkommen aber weiter verpflichtet.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul angemahnt. Die Türkei unterstützt die Regierung von Al-Sarradsch und hat Truppen nach Libyen entsandt. Russland unterstützt dagegen Haftar gemeinsam mit Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Beide Seiten erklärten, sich der Waffenruhe weiterhin verpflichtet zu fühlen. Die Sarradsch-Regierung rief die Vereinten Nationen dazu auf, diese mit ihrer Mission im Land (Unsmil) umzusetzen und Verstöße zu verhindern. LNA-Kommandeur Al-Mabruk Al-Gasawi sagte der Zeitung Al-Marsad, dass seine Truppen sich der Waffenruhe ebenfalls weiter verpflichtet fühlten.

Haftar kontrolliert große Teile Libyens und wird vom Parlament mit Sitz im Osten des Landes unterstützt. Die Truppen der LNA versuchen seit April, Tripolis einzunehmen, wo die Sarradsch-Regierung ihren Sitz hat. Am Montag hatte die LNA mitgeteilt, bei den Kämpfen die Küstenstadt Sirte eingenommen zu haben. In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.