Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki hat vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 kritisiert. "Nord Stream 2 ist ein Schritt in die falsche Richtung", sagte Morawiecki der Zeitung Die Welt. Es gebe ein "Wort-Case-Szenario", das es zu vermeiden gelte: "Moskau darf nie in der Lage sein, die EU mit einem Gaslieferstopp zu erpressen."

Zugleich habe er kaum Hoffnung, dass das Projekt durch die jüngsten US-Sanktionen gestoppt werden kann. Sie würden es vermutlich "verzögern, aber nicht beenden", sagte Morawiecki. "In Polen wäre es uns natürlich am liebsten, der Bau von Nord Stream 2 wäre nie begonnen worden." Die USA hatten Sanktionen gegen die Firmen verhängt, die bisher die unterseeischen Rohre verlegt hatten. Dazu gehört auch der Schweizer Konzern Allseas, der bereits vor der Unterzeichnung des Sanktionsgesetzes die Arbeit an der Pipeline ausgesetzt hatte.

Russland hat die Fertigstellung der Pipeline bis Ende 2020 zugesagt

Im Gespräch mit der Zeitung verteidigte der polnische Regierungschef zugleich die Energiepolitik seines Landes. Polen ist derzeit zu 80 Prozent von Kohle abhängig. Der Energiemix des Landes sei "die Folge von Entscheidungen, die die Sowjetunion für uns getroffen hat", so Morawiecki. Polen stimme mit dem grundsätzlichen Ziel, dass Europas Energieversorgung umweltschonender werden müsse, überein. "Gleichzeitig bitten wir unsere Partner anzuerkennen, dass Polen einen längeren Weg zur Kohlenstoffneutralität zurücklegen muss als viele andere EU-Staaten."

Bei dem Besuch der Bundeskanzlerin in Moskau wird es unter anderem um die Zukunft der Ostsee-Pipeline gehen. Die russische Regierung hat die Fertigstellung der umstrittenen Pipeline bis Ende 2020 zugesagt. Russland könne die Arbeiten selbst vornehmen.

Im Mittelpunkt des Treffens von Merkel und Putin werden nach Angaben der Bundesregierung aber aktuelle internationale Themen stehen. Es soll unter anderem um die Lage in Syrien, in Libyen, im Irak, im Iran und in der Ukraine gehen. Zudem sollen bilaterale Fragen besprochen werden. Begleitet wird die Kanzlerin von Außenminister Heiko Maas (SPD).