Kerala in Südindien hat als erster Staat des Landes das umstrittene Staatsbürgerschaftsgesetz gerichtlich angefochten. In einem Antrag vor dem Obersten Gerichtshof argumentierte Keralas Regierung, das Gesetz verstoße gegen das säkulare Wesen der indischen Verfassung. Sie warf der indischen Regierung vor, die Nation entlang ihrer Gemeinden zu spalten.

Das Staatsbürgerschaftsgesetz bietet Angehörigen von Minderheiten aus Bangladesch, Afghanistan und Pakistan die indische Staatsbürgerschaft unter der Bedingung an, dass sie nicht muslimisch sind. Das Gesetz hat landesweite Proteste und Zusammenstöße ausgelöst, bei denen 23 Menschen getötet wurden. Kritiker sagen, das Mitte Dezember verabschiedete Gesetz werde im Zusammenhang mit einem Register genutzt werden, das Inderinnen und Indern vorschreiben könnte, Dokumente bezüglich ihrer Herkunft vorzulegen. Das ist in Indien mit dem Problem verbunden, dass viele keine offiziellen Dokumente wie Geburtsurkunden haben.

Der Staat Kerala wird von einer kommunistischen Partei regiert. Er ist entschieden gegen das Gesetz. Die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party von Premierminister Narendra Modi hat das Vorgehen des Staats als politisch motiviert bezeichnet. Modis Regierung argumentiert, das Gesetz sei notwendig, um verfolgten religiösen Minderheiten aus Afghanistan, Bangladesch und Pakistan zu helfen, die vor 2015 nach Indien gekommen seien. Dazu müsse ihnen die indische Staatsbürgerschaft gegeben werden.