Man konnte die Generäle nur bedauern, die am Mittwochabend für US-Präsident Donald Trump Spalier stehen mussten. Mit versteinerter Miene verfolgten sie, wie Trump in gleißendem Licht vor die Presse schritt und seine erratische Nahostpolitik auf zwei Dinge reduzierte: Unter seiner Regierung hätten die USA zwei Terroristen ausgeschaltet, Kassem Soleimani und IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi, was auch für den Iran am Ende eine gute Sache gewesen sei.

Weder militärisch noch politisch folgt dieser "Sieg", den Trump da verkündete, einer Strategie oder einem Plan. Das lehrt die Erfahrung aus drei Jahren Trump-Regierung. All jene erfahrenen – und nicht ganz so erfahrenen – Menschen, die den US-Präsidenten nach den Vergeltungsschlägen des Iran beraten haben, haben dazu beigetragen, dass der Ausgang als eine vorsichtige Entwarnung gesehen werden kann. Außenminister Mike Pompeo, der entscheidend zur Eskalation beigetragen hatte, hat sich diesmal nicht durchgesetzt. Ob es Glück, Zufall oder tatsächlich eine Reaktion auf die gemäßigte Antwort des Iran auf die Tötung Soleimanis war, weiß Trump allein.  

Erst einmal scheint die Gefahr gebannt. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern aber ist weit davon entfernt, gelöst zu sein. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weiterhin Raketen in die Grüne Zone in Bagdad oder anderswo einschlagen und wie ruhig sich Trump verhält. Vergeltungsschläge, Sanktionen, das Spiel über Bande in der Region, das ist weiter Realität. 

Aber eine Realität, die Trump in einem Wahlkampfjahr nicht gebrauchen kann. Was er braucht, sind Schlagzeilen, die sich verkaufen lassen: Zwei bad guys innerhalb weniger Monate getötet, weitere Sanktionen gegen das Regime im Iran verkündet. Das kommt an. Greg Miller, politischer Reporter der Washington Post, twitterte kurz nach Trumps Statement: "Der Ansatz erscheint chaotisch und ohne Strategie, aber es ist eine erstaunliche Quintessenz für Trump: Er kann das Jahr 2020 mit der Mitteilung beginnen, dass seine Regierung innerhalb weniger Monate zwei der bedrohlichsten Personen im Nahen Osten ausgeschaltet hat – Al-Bagdadi und Soleimani." 

Mit Außenpolitik gewinnen Präsidentschaftskandidaten in den USA traditionell keine Wahlen. Terroristen zu töten, verkauft sich hingegen gut. Und nur als Trump das am Mittwochabend verkünden konnte, wirkte er für einen Moment sicher.

Der Hochrisikospieler Trump

Tausende Soldaten in den Nahen Osten zu schicken kommt nicht an bei seinen Wählerinnen und Wählern. Truppen abziehen hingegen, "die Jungs nach Hause holen", damit hat er Wahlkampf gemacht. Wenn es jetzt wenigstens für den Moment so scheint, als sei der Iran ein wenig eingehegt, dann passt Trump das gut. Übrigens inszenierte auch Barack Obama die Tötung Osama bin Ladens 2011 vergleichbar. Das Dilemma für Trump ist aber: Aktionen wie die Tötung Soleimanis bleiben nicht ohne Konsequenzen, wie die Bombardierung der Stützpunkte zeigt. 

Trump, das zeigt er mit seinen Handlungen immer wieder, ist ein Hochrisikospieler. In diesem Fall hat er zunächst einen fragilen Sieg errungen. Und es ist ein klassischer Trump-Sieg: nicht von Dauer. Ein heute verkündeter Deal kann morgen schon Makulatur sein. Nichts ist älter als ein Tweet von vor zwei Stunden. Das gilt außen- wie innenpolitisch.  

Die Situation im Nahen Osten kann sich schnell wieder verändern und die Aufmerksamkeit damit wieder verschieben: Heute beherrscht der Iran die Nachrichtenseiten, bleibt es ruhig, wird es morgen wieder das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump sein. Die Republikaner im Senat wollen das Verfahren am liebsten so früh wie möglich beginnen und keine weiteren Zeugen hören. Der US-Präsident wird das Impeachment zwar nicht fürchten müssen, aber sein Wahlkampfteam muss auch hier so agil sein wie Trump in seinem Twitter-Feed: Jeden Tag einen neuen Sieg verkünden. Egal, wie lange er währt. 

Es ist zu früh, um zu sagen, ob dem Präsidenten sein unberechenbarer Führungsstil eine zweite Amtszeit sichert. Die Demokraten haben sich noch nicht auf ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten festgelegt. Und wer weiß, welche globale oder innenpolitische Momentaufnahme den Herbst vor der Wahl bestimmen könnte. In jedem Fall wird Trump aber auf Risiko gehen.