Der ehemalige ranghohe Armeeoffizier Ri Son Gwon ist zum neuen Außenminister von Nordkorea ernannt worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtet, habe Ri bei einem Abendbankett für ausländische Botschaften und Organisationen am Donnerstag eine Rede gehalten. Bereits am vergangenen Wochenende hatten südkoreanische Medien unter Berufung auf Quellen in Pjöngjang und Seoul berichtet, dass Ri den namensverwandten Karrierediplomaten Ri Yong Ho, ablösen soll, der über breite Erfahrung im Umgang mit den USA und Südkorea verfügte. Warum Ri Yong Ho entlassen wurde und was mit ihm passiert ist, geht aus der Mitteilung von KCNA nicht hervor.

Der neue Außenminister gilt als unerfahren. Allerdings spielte Ri Son Gwon in seiner früheren Funktion als Vorsitzender des Komitees für die Friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes und damit als Unterhändler bei den Annäherungsgesprächen mit Südkorea vor zwei Jahren eine wichtige Rolle. So hatte er im Oktober 2018 eine Delegation geleitet, als sich beide Länder unter anderem auf einen Termin für die Modernisierung grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen geeinigt hatten.

Die Ernennung Ris fällt in eine Zeit, in der sich die Beziehungen Nordkoreas zum südlichen Nachbarn sowie zu den USA wieder verhärten. Seit dem gescheiterten zweiten Gipfel zwischen Nordkorea und den USA im vergangenen Februar in Vietnam stagnieren nicht nur die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, auch die Verhandlungen über die innerkoreanischen Beziehungen sind nicht mehr vorangekommen. Neuerdings führt das Land auch wieder vermehrt Raketentests durch.

Wie Ri in einer Rede sagte, befänden sich die Nordkoreaner in einer "generellen Offensive, um Kraft der Selbstständigkeit die Hindernisse für den sozialistischen Aufbau frontal zu durchbrechen". Zuletzt hatten Nordkoreas Staatsmedien die "laufende Offensive" als "grimmiges Kräftemessen mit den USA" beschrieben.