Im Kampf gegen Kunststoffmüll will die EU-Kommission ein Verbot von Plastikverpackungen prüfen. "Wir wollen die Regeln für Einwegkunststoffe definitiv ausweiten und untersuchen gerade, in welche Richtung das möglich wäre", sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius der Tageszeitung Die Welt. Laut Sinkevičius wäre es ein wichtiger Schritt, "Verpackungen aus Plastik zu verbieten oder die Verwendung von Recyclingplastik vorzuschreiben".

Die EU-Kommission plant laut Sinkevičius zudem gesetzliche Regeln, um die Freisetzung von Mikroplastik einzudämmen. Derzeit werde untersucht, wie Hersteller mancher Produkte verpflichtet werden könnten, das Mikroplastikpotenzial ihrer Waren drastisch zu reduzieren. "Bis Ende des Jahres werden wir eine sehr detaillierte Liste all jener Produkte vorlegen, die Mikroplastik enthalten oder bei deren Verwendung Mikroplastik entsteht", sagte der litauische EU-Kommissar.

Er kündigte an, dafür zu sorgen, "dass diese Produkte kein Mikroplastik mehr freisetzen", sagte Sinkevičius. "Wir wollen da sehr früh ansetzen, schon bei den Regeln für die Zusammensetzung von Reifen, Kosmetika und anderen relevanten Produkten." So sei eine Richtlinie für Mikroplastik möglich.

Umweltministerium begrüßt Sinkevičius Vorschlag

In der vergangenen Woche hatte die kroatische EU-Ratspräsidentschaft angekündigt, mit den Mitgliedsstaaten über eine mögliche Steuer auf Plastikmüll zu sprechen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die EU ein ab 2021 geltendes Verbot von Plastikwegwerfprodukten wie Strohhalmen und Wattestäbchen beschlossen.

Das Bundesumweltministerium begrüßte den Vorschlag des EU-Kommissars. Ein Sprecher von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, das Ziel sei eine Kreislaufwirtschaft beim Plastik. Dafür sei die EU die richtige Ebene. Sinkevičius Plan sei deshalb sinnvoll, es gebe aber noch keinen konkreten Gesetzgebungsvorschlag. Wenn der vorliege, werde man ihn im Detail bewerten.