Bei Protesten gegen den iranischen Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine haben Einsatzkräfte im Iran offenbar scharfe Munition und Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Dies berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Videoaufnahmen, die sie nach eigenen Angaben verifiziert hat. Zu sehen ist demnach eine Menge von Protestierenden auf dem Platz vom Freiheitsturm in Teheran, in die ein Tränengaskanister geschleudert wurde. Menschen husten und versuchen, vor dem Rauch zu fliehen. Eine Frau ruft auf Persisch: "Sie haben Tränengas auf Leute gefeuert. (...) Tod dem Diktator!"

AP berichtet auch von einem weiteren Video, auf dem zu sehen sei, wie eine verletzte Frau nach dem Geschehen weggetragen wird. Man hört demnach Rufe, die Frau sei von scharfer Munition im Bein getroffen worden. "Oh mein Gott, sie hört nicht auf zu bluten", soll eine Stimme zu hören sein. Und eine andere: "Verbindet das!"

"Mit Geduld und Toleranz"

Auch die Nachrichtenagentur Reuters verweist auf solche Videos, konnte deren Echtheit nach eigenen Angaben jedoch nicht überprüfen. Demnach gebe es Videos, auf denen Schüsse in unmittelbarer Nähe von Kundgebungen zu hören sind. Laut Reuters sieht man auch bewaffnete Männer verschiedener, nicht näher beschriebener Einheiten. In einigen Videos sollen Einsatzkräfte mit Schlagstöcken auf Demonstranten einschlagen. Menschen rufen: "Schlagt sie nicht!"

Diese Berichte wies der Teheraner Polizeichef Hossein Rahimi zurück. "Bei den Protesten hat die Polizei absolut nicht geschossen, weil die Polizei der Hauptstadt die Anweisung hatte, sich zurückzuhalten", hieß es in einer auf der Website des staatlichen Fernsehens veröffentlichten Erklärung. Gegenüber der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Fars räumte er ein, es sei Tränengas eingesetzt worden. "Die Polizei behandelte die versammelten Menschen mit Geduld und Toleranz", wird er in iranischen Medien zitiert.

Videos sollen neue Proteste zeigen

Auslöser der Proteste war die Verlautbarung der iranischen Staatsspitze, die sich am Samstag dazu bekannt hatte, eine ukrainische Passagiermaschine mit 176 Menschen an Bord versehentlich abgeschossen zu haben. Danach war es am Wochenende im ganzen Land zu Protestkundgebungen gekommen. Die Demonstranten verlangen unter anderem die Rücktritte der Verantwortlichen. Der Ruf "Tod dem Diktator" zielte dabei auf den mächtigsten Mann im Land, das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei.

Auch an diesem Montag soll es bereits weitere Proteste gegeben haben. Dies berichtet Reuters erneut mit Verweis auf Videos, deren Authentizität nach Angaben der Agentur ebenfalls nicht verifiziert werden konnte. Zu sehen sind darauf Demonstranten nahe einer Universität in Teheran. Einige riefen: "Sie haben unsere Eliten getötet und sie mit Klerikern ersetzt." In den Videos sieht man zudem in anderen Teilen Teherans postierte Bereitschaftspolizei.