Nahostkrise - Erneuter Raketeneinschlag in Bagdads Grüner Zone In der Nacht zu Donnerstag ertönten in der irakischen Hauptstadt die Sirenen. Mindestens eine der drei Katjuscha-Raketen sei in der Nähe der US-Botschaft niedergegangen, hieß es aus Polizeikreisen.

Das hoch gesicherte Regierungsviertel in Bagdad ist erneut beschossen worden. Wie das irakische Militär mitteilte, sind dort am späten Mittwochabend zwei Raketen des Typs Katjuscha eingeschlagen. Verletzte gab es demnach nicht. Regierungssender berichteten von Explosionen und Alarmsirenen.  

Bereits am Sonntag waren in der sogenannten Grünen Zone, in der sich auch die Botschaften der USA und Großbritanniens befinden, zwei Raketen desselben Typs eingeschlagen. Am Vortag waren zudem mehrere Raketen in Bagdads Zentrum sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Balad niedergegangen, der etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt liegt. Berichte über Opfer oder Schäden gab es auch dabei nicht.

In und nahe der Grünen Zone in Bagdad sind in vergangenen Monaten und Jahren mehrfach Raketen und Mörsergranaten niedergegangen. Teilweise wurden dabei auch Menschen getötet oder verletzt.

Aktuell ist die Lage im Irak aber besonders angespannt. Auf die gezielte Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch einen US-Luftangriff folgte ein Vergeltungsschlag des Irans gegen amerikanisch genutzte Militärstützpunkte. US-Präsident Donald Trump kündigte daraufhin an, er werde "sehr mächtige Wirtschaftssanktionen" verhängen und diese aufrechterhalten, bis der Iran sein Verhalten ändere. Von militärischen Angriffen würden die USA aber vorerst absehen, so Trump.

USA sehen Zeichen der Deeskalation

Bei dem Angriff auf Soleimani war auch der Vizechef der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Milizen, Abu Mahdi al-Muhandis, getötet worden. Als Folge drohten die Milizen mit massiver Vergeltung für den Tod ihres Kommandeurs. US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte dazu, es sei zu erwarten, dass die schiitischen Milizen im Irak mit Angriffen oder anderen Aktionen weiter versuchten, die US-Militärpräsenz in dem Land zu "untergraben".

Nach Angaben von US-Vizepräsident Mike Pence habe die Regierung jedoch Hinweise, wonach sich die Lage entspannen könnte. Es gebe "ermutigende Geheimdienstinformationen", dass die Führung in Teheran verbündete Milizen aufgefordert habe, keine US-Ziele anzugreifen, sagte er dem Fernsehsender CBS News. "Wir hoffen, dass diese Botschaft weiterhin Widerhall findet."

Iran beschwichtigt UN-Sicherheitsrat

Tatsächlich versicherte der Iran in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und an UN-Generalsekretär António Guterres, dass er die staatliche Souveränität des Irak respektiere. Der Iran habe vollen Respekt für "die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit und territoriale Integrität" des Irak, heißt es in dem Schreiben des iranischen UN-Botschafter, Majid Takht-Ravanchi. Der Iran sei dem Erhalt des internationalen Friedens verpflichtet und strebe keine "Eskalation oder Krieg" an, beteuerte Takht-Ravanchi in dem von seiner Delegation veröffentlichten Brief. Die jüngsten Angriffe auf die von den USA genutzten Militärstützpunkte seien präzise gewesen und hätten keine Schäden bei Zivilisten und zivilen Einrichtungen verursacht.

Zuvor hatte sich die irakische Regierung beim UN-Sicherheitsrat über die "Verletzung der Souveränität" ihres Landes beschwert und angekündigt, den iranischen Botschafter in Bagdad einzubestellen. Der Irak sei ein "unabhängiges Land" und werde es nicht zulassen, zu einem Schlachtfeld gemacht zu werden, hieß es seitens des Außenministeriums.