Die Verhandlungen der beiden rivalisierenden Seiten über eine stabile Waffenruhe in Libyen sind zunächst gescheitert. Dies teilte der russische Außenminister Sergej Lawrow mit, nachdem die Delegation des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar das Treffen in Moskau vorzeitig verlassen hatte. Während der von den UN anerkannte Regierungschef Fajis al-Sarradsch einen ersten Vertragsentwurf zum Ende der Gefechte unterzeichnet hatte, erbat sich Haftar erst Bedenkzeit und verweigerte dann seine Unterschrift.

Kein direktes Treffen von Haftar und Al-Sarradsch

Der hochrangige Militärführer kontrolliert einen Großteil des Ostens und Südens des Landes und gilt als Schlüsselfigur für einen dauerhaften Frieden in Libyen. Seit neun Monaten liefern sich Haftars Einheiten Kämpfe mit den Truppen der Einheitsregierung, nachdem der General eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet hatte.

Unter Vermittlungen von Russland und der Türkei sollten nun beide Seiten eine seit Sonntag geltende Waffenruhe formal vereinbaren und festigen. Die Vereinbarung, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, sieht eine zeitlich "unbegrenzte Einstellung der Kampfhandlungen" in Libyen vor. Zudem sollen die Konfliktparteien die sichere Verteilung humanitärer Hilfsgüter ermöglichen. Direkt getroffen hatten sich Al-Sarradsch und Haftar dabei nach Angaben des Vorsitzenden des Parlaments in Tripolis, Chaled al-Meschri, jedoch nicht.

Telefonat zwischen Merkel und Putin

Im Bemühen um stabile Verhältnisse in dem nordafrikanischen Land hat sich auch die Bundesregierung eingeschaltet. So plant sie – unter der Ägide der Vereinten Nationen – eine internationale Libyen-Konferenz am kommenden Sonntag in Berlin. Hierfür ist Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in engem Kontakt mit Russlands Präsident Wladimir Putin. In einem Telefonat am Montag mit Putin hatte sie sich über die Gespräche zwischen Al-Sarradsch und Haftar informiert. Letztlich will die Bundesregierung verhindern, dass in Libyen – eine wichtige Zwischenstation für Migranten und Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa – ein Stellvertreterkrieg zwischen ausländischen Mächten wie in Syrien entbrennt.

Das Land gilt seit dem Sturz und Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 als sogenannter failed state. Die rivalisierenden Regierungen und Milizen werden von verschiedenen in- und ausländischen Akteuren unterstützt. So wird die Regierung im Osten des Landes nicht nur von Haftars Truppen gestützt, sondern auch von Frankreich, Russland und arabischen Ländern wie Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien gefördert. Die Türkei, Italien und Katar stehen hingegen der Regierung in Tripolis bei. Zuletzt hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan eigene Truppen nach Libyen entsandt.